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„Dann überheben Sie mich der Antwort, wenn Sie mich fragen.“
„So verändern wir das Geſpräch.“
Gilbert verbeugte ſich zum Zeichen der Beipflichtung.
„Laſſen Sie hören, kleiner Junge,“ fragte Chon mit ziemlich hartem Tone,„was gedenken Sie hier zu thun, wenn Sie ſich nicht angenehm machen?“
„Muß ich mich durch einen Meineid angenehm machen?“
„Woraus nehmen Sie denn alle dieſe großen Worte?“
„Aus dem Rechte, das jeder Menſch hat, ſeinem Ge⸗ wiſſen treu zu bleiben.“
„Bah!“ verſetzte Chon,„wenn man einem Herrn dient, ſo übernimmt dieſer Herr jede Verantwortlichkeit.“
„Ich habe keinen Herrn,“ brummte Gilbert.
„Und ſo, wie Sie ſich betragen, kleiner Dummkopf, werden Sie auch nie eine Herrin haben,“ verſetzte Chon, indem ſie wie eine ſchoͤne Träge aufſtand.„Ich wieder⸗ hole meine Frage, antworten Sie kategoriſch: was ge⸗ denken Sie bei uns zu thun?“ 1
„Ich glaubte, es wäͤre nicht nöthig ſich angenehm zu machen, wenn man ſich nützlich machen könnte.“
„Sie täuſchen ſich: man trifft nur nützliche Leute, und deren ſind wir müde.“
„Dann werde ich mich zurückziehen.“
„Sie werden ſich zurückziehen?“
„Ja gewiß; ich habe nicht hierher zu kommen ver⸗ langt, und bin alſo frei.“
„Frei!“ rief Chon, welche über dieſen Widerſtand, an den ſie nicht gewöhnt war, zornig zu werden anfing. „Oh! nein!“
Das Geſicht von Gilbert zog ſich krampfhaft zu⸗ ſammen.
„Ruhig, ruhig,“ ſagte die junge Frau, als ſie an dem Runzeln ſeiner Stirne wahrnahm, daß er nicht leicht auf ſeine Freiheit Verzicht leiſtete,„Ruhe und Friede! Sie ſind ein hübſcher, ſehr tugendhafter Junge und in


