A
249
er, ſagen wir, zugehört, wie ſich der Baron ſehr katego⸗ riſch in Beziehung auf Meiſter Dubarry erklärte. Der völlig eigennützige Haß des alten Taverney, deſſen Laſter und Grundſätze wir kennen, hatte eine gewiſſe Sympathie in dem Herzen von Gilbert gefunden. Dies kam davon her, daß Fräulein Andrée auf keine Weiſe dem Böſen widerſprach, das der Baron von Madame Dubarry ſagte; denn es iſt nicht zu leugnen, der Name von Madame Dubarry war in Frankreich ſehr verachtet. Was endlich Gilbert völlig auf die Seite des Barons brachte, war der Umſtand, daß er Nicole mehr als einmal hatte aus⸗ rufen hören:„Ah! wenn ich Madame Dubarry wäre!“
So lange die Reiſe dauerte, war Chon zu ſehr mit ernſten Dingen beſchäftigt, um auf die Veränderung der Laune aufmerkſam zu werden, welche die Kenntniß ſeiner Reiſegefährtin bei Herrn Gilbert hervorgebracht hatte. Sie kam alſo in Verſailles an, ohne daß ſie an etwas Ande⸗ res, als daran dachte, wie ſie zum Beſten des Vicomte den Degenſtich von Philipp wenden ſollte, der nicht zu ſeiner größten Ehre ausfallen konnte.
Gilbert hatte kaum die Hauptſtadt, wenn nicht Frank⸗ reichs, doch wenigſtens der franzöſiſchen Monarchie erreicht, als er jeden ſchlimmen Gedanken vergaß, um ſich einer offenherzigen Bewunderung hinzugeben. Majeſtätiſch und kalt, mit ſeinen alten Bäumen, welche der Mehrzahl nach zu vertrocknen und vor Alter hinzuſterben anfingen, durch⸗ drang Verſailles Gilbert mit dem Gefühle religiöſer Trau⸗ rigkeit, deſſen ſich kein wohl organifirter Geiſt in Gegen⸗
wart großer, durch die menſchliche Beharrlichkeit errichteter,
oder durch die Macht der Natur geſchaffener Werke er⸗ wehren kann.
Aus dieſem bei Gilbert ungewohnten Eindruck, ge⸗ gen welchen ſich ſein angeborner Stolz vergebens ſträubte, ging hervor, daß ihn wäͤhrend der erſten Augenblicke das Erſtaunen und die Bewunderung ſchweigſam und geſchmei⸗ dig machten. Das Gefühl ſeiner Dürftigkeit und ſeiner untergeordneten Stellung drückte ihn nieder. Er fand ſich


