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Am Morgen nach dem Tage, wo die von uns er⸗ zählte Scene auf der Poſt des kleinen Dorfes Lachauſſée vorfiel, kam gegen neun Uhr(zur geheiligten Stunde) Jeanne von Vaubernier, in ein Nachtgewand von geſtickter Mouſſeline gehüllt, das unter der ſlockigen Spitze ihre runden Beine und ihre alabaſternen Arme errathen ließ,
kam Jeanne von Vaubernier, ſodann Demoiſelle Lange,
endlich Gräfin Dubarry, durch die Gnade von Herrn Jean Dubarry, ihrem ehemaligen Beſchützer, aus dem Bette, wir ſagen nicht ähnlich einer Venus, ſondern ſicherlich ſchö⸗
ner als Venus für jeden Mann, der die Wahrheit der
Dichtung vorzieht. 4 Bewunderungswürdig krauſe, hellkaſtanienbraune Haare, eine azurgeaderte Haut von weißem Atlaß, abwechſelnd ſchmachtende und Geiſt ſprühende Augen, ein kleiner, friſch⸗ rother Mund mit dem reinſten Carmin gezeichnet, der ſich nur öffnete, um eine doppelte Reihe von Perlen ſehen zu laſſen; Grübchen überall, an den Wangen, am Kinn, an den Fingern; ein Hals geformt nach dem der Venus von Milo, eine ſchlangenartige Geſchmeidigkeit mit einer Be⸗ leibtheit nach dem genaueſten Maaße, dies war es was Madame Dubarry die Auserwählten ihres kleinen Lever ſehen ließ, was Seine Majeſtät Ludwig XV., der Aus⸗ erwählte der Nacht, am Morgen wie die Andern zu be⸗ trachten nicht verfehlte, denn er benützte das Sprüchwort, das den Greiſen räth, die Krümchen nicht verloren ge⸗ hen zu laſſen, welche von der Tafel des Lebens fallen. Die Favoritin ſchlief ſchon ſeit einiger Zeit nicht mehr. Um acht Uhr hatte ſie geläutet, damit man dem Tage, ihrem erſten Höfling, in ihr Zimmer einzutreten erlaubte; allmälig war, Anfangs durch dickere und dann durch leichtere Vorhänge, die an dieſem Tage ſtrahlende Sonne eingeführt worden und hatte, ſich ihres mytholo⸗ giſchen Glückes erinnernd, die ſchöne Nymphe geliebkoſt, welche, ſtatt wie Daphne, die Liebe der Götter zu fliehen, ſich dergeſtalt vermenſchlichte, daß ſie zuweilen der Liebe der Sterblichen entgegenkam. Es war alſo weder eine
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