. 17 Die Schweſter ſchien zu ſagen:
„Habe ich wohl dargn gethan, ihn zu behalten?“ „Meiner Treue, ja,“ ſchien der Bruder zu antworten.
XXIII. Das kleine Lever der Frau Gräſin Dubarry.
Nun mögen uns unſere Leſer erlauben, Mademoiſelle Chon und den Vicomte Jean, welche mit Poſt auf der Straße nach Chalons fahren, zu verlaſſen und ſie bei einer andern Perſon von derſelben Familie einzuführen.
In den Gemächern von Verſailles, welche Madame Adelaide, die Tochter von Ludwig XV. bewohnte, hatte dieſer Fürſt die Frau Gräfin Dubarry, ſeine Geliebte ſeit ungefähr einem Jahr, einquartiert, nicht ohne lange zuvor die Wirkung zu beobachten, welche dieſer Staatsſtreich auf den Hof hervorbringen würde.
Die Favoritin mit ihrem Sichgehenlaſſen, mit ihren freien Manieren, ihrem luſtigen Charakter, ihrer unverſieg⸗ baren Laune, ihren geräuſchvollen Phantaſien hatte das ſchweigſame Schloß in eine ſtürmiſche Welt verwandelt, wo jeder Bewohner nur unter der Bedingung geduldet wurde, daß er ſich viel und ſo luſtig als möglich bewegte.
Von dieſer allerdings beſchränkten Wohnung, wenn man die Macht derjenigen, welche ſie inne hatte, in Be⸗ tracht zieht, ging jeden Augenblick der Befehl zu einem Feſte oder das Signal zu einer Vergnügenspartie aus.
Was aber den prachtvollen Treppen von dieſem Theil des Palaſtes am Sonderbarſten vorkam, war ſicherlich der unglaubliche Zuſtrom von Beſuchern, welche vom Morgen, das heißt von neun Uhr an, geſchmückt und glaͤnzend hin⸗ aufſtiegen, um ſich demuͤthig in einem Vorzimmer ange⸗ füllt mit Seltſamkeiten einzufinden, die noch minder ſelt⸗ ſam erſchienen, als das Idol, welches die Auserwählten im Allerheiligſten anzubeten berufen waren. Denkwürdigkeiten eines Arztes. II.


