. 22 „„Nun halte die Mündung der Piſtole an Deine Stirne,“ fuhr der Präſident fort.
Der Unbekannte gehorchte, ohne zu zögern.
Ein tieferes Stillſchweigen als je en. ſich über der Verſammlung; die Lampen ſchienen zu erbleichen; dieſe Geſpenſter waren wirklich Geſpenſter, denn keines von ihnen hatte Athem.
„Feuer!“ ſagte der Präſident.
Der Drücker rührte ſich, der Stein funkelte auf der Batterie; aber nur das Pulver der Pfanne entzündete ſich und kein Geräuſch begleitete ſeine ephemere Flamme.
Ein Schrei der Bewunderung entſtrömte beinahe jeder Bruſt, und der Präſident ſtreckte mit einer inſtinkt⸗ artigen Bewegung die Hand gegen den Unbekannten aus.
Doch zwei Proben genügten ohne Zweifel den An⸗ ſpruchsvollſten nicht, und einige Stimmen riefen:
„Den Dolch! den Dolch!“
„Ihr verlangt ihn?“ fragte der Präſident.
„Ja, den Dolch! den Dolch!“ wiederholten dieſelben
timmen.
„Bringt den Dolch,“ ſprach der Präſident.
„Es iſt unnöthig,“ ſagte der Unbekannte, verächtlich den Kopf ſchüttelnd.
„Wie, unnöthig!“ rief die Verſammlung.
„ZJa, unnöthig!“ entgegnete der Aufzunehmende mit einer Stimme, welche alle andere Stimmen bedeckte;„ich wiederhole es Euch, denn Ihr verliert eine koſtbare Zeit.“
„Was ſagſt Du da?“ rief der Präſident.
„Ich ſage, daß ich alle Eure Geheimniſſe kenne, daß die Proben, denen Ihr mich unterwerft, Kinderſpiele ſind, unwürdig, einen Augenblick ernſte Weſen zu beſchäftige Ich ſage, daß dieſer ermordete Menſch nicht todt iſt, ich
ſage, daß das Blut, das ich getrunken, in einem auf ſei⸗
ner Bruſt liegenden und unter ſeinen Kleidern verborgenen Schlauche enthaltener Wein war, ich ſage, daß das Pul⸗ ver und die Kugeln in dem Augenblick, wo ich den Hah⸗ nen ſpannte, in den Kolben gefallen ſind. Nehmt alſo
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