Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 1.-4. Bändchen (1846) Mémoires d'un médecin
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färben, das heißt in dem Augenblick, wo für das ganze Rheingau die Sonne hinter der Thurmſpitze des Münſters von Straßburg untergeht, das ſie in zwei feurige He⸗ miſphären zerſchneidet, erſchien ein Mann, nachdem er durch Alzey und Kirchheim⸗Bolanden geritten war, jen⸗ ſeits des Dorfes Dannenfels, folgte dem Fußpfade, ſo lange derſelbe ſichtbar blieb, ſtieg ſodann, als jede Spur des Weges verſchwand, von ſeinem Pferde, nahm es beim Zügel und band es ohne Zögern an die erſte Tanne des furchtbaren Waldes.

Das Thier wieherte ſehr unruhig und der Wald ſchien bei dieſem ungewohnten Geräuſch zu beben.

Gut! gut! murmelte der Reiſende;beruhige dich, mein guter Oſcherid; wir haben zwölf Stunden zurückge⸗ legt und du biſt wenigſtens am Ziele deines Laufes an⸗ gelangt.

ÜUnd der Reiſende ſuchte mit dem Blicke die Tiefe des Blätterwerks zu ergründen; aber die Schatten waren be⸗ reits ſo undurchſichtig, daß man nur die ſchwarzen Maſſen unterſchied, welche ſich von andern, noch dichter ſchwarzen Maſſen abhoben. Nach dieſer unfruchtbaren Forſchung wandte ſich der Reiſende zu dem Thiere um, deſſen arabi⸗ ſcher Name zugleich ſeinen Urſprung und ſeine Schnellig⸗ keit bezeichnete, nahm es mit beiden Händen unten am

Kopfe, näherte die rauchenden Nüſtern deſſelben ſeinen

Munde und ſprach:

Lebe wohl, mein braves Pferd; wenn ich dich nicht wiederſehe, lebe wohl.

Dieſe Worte waren von einem raſchen Rundblicke be⸗ gleitet, als hätte der Reiſende gehört zu werden befürchtet oder gewünſcht.

Das Pferd ſchüttelte ſeine ſeidene Mähne, ſtampfte mit dem Fuße auf den Boden, und wieherte mit jenem Wiehern, wie es dieſes Thier bei Annäherung des Löwen in der Wüſte hören laſſen mußte.

Deer Reiſende bewegte diesmal nur den Kopf von oben nach unten, mit einem Lächeln, als wollte er ſagen: