Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 1.-4. Bändchen (1846) Mémoires d'un médecin
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Ebene aus gewahr wird, und wäre ſein Pferd mit Schel⸗ len behängt, wie ein ſpaniſches Maulthier, ſo würde man ſein Geräuſch doch nicht hören; wäre es mit Sammet und Gold bedeckt, wie das Roß eines Kaiſers, ſo würde doch kein Strahl von Gold oder Purpur das Blätterwerk durch⸗ dringen, ſo ſehr erſtickt die Dichtheit des Waldes das Ge⸗ räuſch, ſo ſehr tilgt die Dunkelheit ſeines Schattens die Farben.

Noch heute, wo die höchſten Berge einfache Beobach⸗ ter geworden ſind, noch heute, wo die poetiſchen Legenden

des furchtbarſten Inhalts nur ein Lächeln des Zweifels

auf den Lippen des Reiſenden hervorrufen, noch heute er⸗ ſchreckt dieſe Einſamkeit und macht dieſen Theil der Ge⸗ gend ſo ehrwürdig, wo nur einzelne Häuſer von gebrech⸗ lichem Ausſehen, verlorene Schildwachen der benachbarten Dörfer, allein in einiger Entfernung von dem Zauber⸗ gürtel zum Vorſchein kommen, um die Anweſenheit des Menſchen in dieſer Landſchaft zu bezeugen.

Die Bewohner der in der Einſamkeit verlorenen Häuſer ſind Müller, welche luſtig den Fluß ihr Korn zermalmen laſſen, deſſen Mehl ſie nach Rockenhauſen und Alzey bringen, oder Hirten, die ihr Vieh auf die Waide in den Bergen führen, und zuweilen ſammt ihren Hunden bei dem Geräuſche einer hundertjährigen Tanne beben,

welche aus Altersſchwäche in die unbekannten Tiefen des

Waldes niederſtürzt. Denn die Erinnerungen der Gegend ſind düſterer

Natur und der Fußpfad, der ſich jenſeits Dannenfels mit⸗

ten unter dem Heidekraut des Gebirges verliert, hat nicht immer, wie die Muthigſten ſagen, ehrliche Chriſten in den Hafen des Heils geführt.

Vielleicht hat einer von den heutigen Bewohnern einſt von ſeinem Vater oder von ſeinem Großvater er⸗ zählen hören, was wir jetzt ſelbſt zu erzählen verſuchen wollen.

Am 6. Mai 1770, in der Stunde, wo die Waſſer des großen Fluſſes ſich mit einem roſig weißen Reflere