Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 1.-4. Bändchen (1846) Mémoires d'un médecin
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wenn die letzten Sonnenſtrahlen hinſterbend die hohen Gipfel dieſer Rieſenfamilie vergolden, ſo iſt es, als ſteige allmälig die Stille von dieſen erhabenen Stufen des Him⸗ mels bis zur Ebene herab und ein unſichtbarer, mächti⸗ ger Arm entwickle, um ihn über die durch das Geräuſch und die Arbeiten des Tages ermüdete Welt auszubreiten, den langen, bläulichen Schleier, auf deſſen Grunde die Sterne funkeln. Dann geht Alles unmerklich vom Wa⸗ chen zum Schlafe über; Alles entſchlummert auf der Erde und in der Luft.

Allein mitten in dieſem Stillſchweigen, verfolgt der bereits von uns erwähnte Selzbach, wie man ihn im Lande nennt, ſeinen geheimnißvollen Lauf unter den Tannen des Ufers, und obgleich ihn weder Tag noch Nacht aufhalten, denn er muß ſich in den Rhein werfen, der ſeine Ewigkeit iſt, obgleich ihn nichts aufhält, ſagen wir, iſt doch der Sand ſeines Bettes ſo friſch, ſind ſeine Schilfrohre ſo biegſam, ſeine Felſen ſo gut mit Moos und Steinbrech wattirt, daß keine ſeiner Wellen rauſcht von Morsheim, wo er beginnt, bis Freiweinheim, wo er endigt.

Etwas oberhalb ſeines Urſprungs, zwiſchen Albis⸗ heim und Kirchheim⸗Bolanden, führt eine gekrümmte, zwi⸗ ſchen zwei abſchüſſigen Wänden ausgehöhlte und von tiefen

Dannenfels wird die Straße ein Fußpfad, dann nimmt der Fußpfad ab, verſchwindet, verliert ſich, und das Auge ſucht vergebens auf dem Boden etwas Anderes, als den ungeheuren Abhang des Donnersbergs, deſſen geheimniß⸗ voller Gipfel, ſo oft vom Feuer des Herrn heimgeſucht, das ihm ſeinen Namen gegeben hat, ſich hinter einem Gürtel von grünen Bäumen wie hinter einer undurch⸗ dringlichen Mauer birgt. Iſt der Reiſende einmal unter dieſen Bäumen ange⸗ langt, welche ſo blätterreich, ſo buſchreich ſind, wie die Eichen der alten Dodona, ſo kann er ſeinen Weg fort⸗ ſetzen, ohne daß man ihn, ſelbſt am hellen Tage, von der

Geleiſen durchfurchte Straße nach Dannenfels. Jenſeits