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„Kann ich ſelbſt die Haare von Madame aufbinden?2 fragte Maurice.
„Ohl ja, er!“ rief Geneviéve,„ich bitte Sie darum, Herr Sanſon.“
„Thun Sie es,“ ſprach der Greis und wandte ſeinen Kopf ab.
Maurice löſte ſeine von der Wärme ſeines Halſes laue Binde, Geneviéve küßte ſie, kniete vor dem jungen Manne nieder und bot ihm dieſen reizenden Kopf, der in ihrem Schmerze noch ſchöner war, als er es je in ihrer Freude geweſen.
Nachdem Maurice die traurige Operation beendigt hatte, waren ſeine Hände ſo zitternd, lag ſo viel Schmerz in dem Ausdruck ſeines Geſichtes, daß Geneviève ausrief:
„Ohl ich habe Muth, Maurice.“
Sanſon wandte ſich um.
„Nicht wahr, mein Herr, ich habe Muth?“ ſagte ſie.
„Gewiß, Bürgerin, und zwar einen wahren Muth,“ antwortete der Scharfrichter mit bewegter Stimme.
Mittlerweile hatte der erſte Gehülfe die von Fouquier⸗ Tinville überſandte Liſte durchlaufen..
„Vierzehn,“ ſagte er.
Sanſon zählte die Verurtheilten.
„Fünfzehn, den Todten enbegeiffe ſprach San⸗ ſon,„wie kommt das?“
Lorin und Geneviéve zählten nach ihm, bewegt durch einen und denſelben Gedanken. 3
„Sie ſagen, es ſeien nur vierzehn Verurtheilte, und wir ſind unſerer fünfzehn?“ ſagte ſie.
„Ja, der Bürger Fouquier⸗Tinville muß ſich ge⸗ täuſcht haben.“
„Oh! Du logſt,“ ſprach Genevieve zu Maurice,„Du warſt nicht verurtheilt.“
„Warum bis morgen warten, während Du heute ſtirbſt?“ erwiederte Maurice.
„Freund,“ ſagte ſie lächelnd,„Du beruhigſt mich: ich ſehe nun, daß es leicht iſt, zu ſterben.“


