Teil eines Werkes 
Der Chevalier von Maison-Rouge : Episode von 1793 : 5.-8. Bändchen (1847) Le Chevalier de Maison-Rouge
Entstehung
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Die Königin reichte erſtaunt und ohne zu begreifen, was dies bedeuten ſollte, der Tiſon die Hand, dieſe faßte ſie gierig und drückte ihre Lippen darauf.

In dieſem Augenblicke ließ ſich die heiſere Stimme eines Colporteur im Temple hören.

Hier iſt zu haben der Spruch des Gerichtes, das die Tochter Heloiſe Tiſon zur Todesſtrafe wegen des Ver⸗ brechens der Verſchwörung verurtheilt, rief er.

Kaum hatten dieſe Worte das Ohr der Tiſon be⸗ rührt, als ſich ihr Geſicht gleichſam zerſetzte; ſie erhob ſich auf ein Knie und ſtreckte die Arme aus, um der Kö⸗ nigin den Weg zu verſperren.

Oh, mein Gott! murmelte die Königin, welche kein Wort von der furchtbaren Verkündigung verloren hatte.

Zur Todesſtrafe verurtheilt, rief die Mutter,meine Tochter verurtheilt! meine Heloiſe verloren! Er hat ſie alſo nicht gerettet, und kann ſie nicht retten; es iſt alſo zu ſpät. Oh!

Arme Frau, ſprach die Königin,glauben Sie mir, daß ich Sie beklage.

Du? ſagte die Tiſon, deren Augen Ptssih en 44

Blut unterlaufen waren.Du beklagſt mich? nie!

Sie täuſchen ſich, ich beklage Sie von ganzem Herzen, doch laſſen Sie mich vorüber.

Dich vorüber laſſen? rief die Tiſon und brach in ein Gelächter aus.Nein! nein! ich ließ Dich fliehen, weil er mir geſagt hatte, wenn ich Dich um Verzeihung bäte und fliehen ließe, ſo würde meine Tochter gerettet werden; doch da meine Tochter verurtheilt iſt, da meine Tochter ſterben ſoll, ſo wirſt Du nicht entkommen.

Herbei, meine Herren, kommen Sie mir zu Hülfe, rief die Königin.Mein Gott! mein G Sie ſehen wohl, daß ſie wahnſinnig iſt.

Nein, ich bin nicht wahnſinnig, nein, ich weiß, was ich ſage, rief die Tiſon.Sehen Sie, es iſt wahr, es

fand eine Verſchwörung ſtatt, Simon hat ſie entdeckt.

Meine Tochter, meine arme Tochter verkaufte den Strauß.