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Die Königin wurde bleich wie eine Todte. „Mein Gott!“ murmelte ſie, die Augen zum Him⸗
mel aufſchlagend.
Dann wandte ſie ſich an den Municipal und ſprach:
„Mein Herr, haben Sie die Güte, dieſe Frau zu entfernen; Sie ſehen wohl, daß ſie wahnſinnig iſt.“
„Vorwärts, vorwärts, Mutter, Platz gemacht,“ rief der Municipal. 4
Doch die Tiſon klammerte ſich an die Waſ an.
„Nein,“ rief ſie,„ſie muß mir vergeben, damit er meine Tochter rettet.“
„Wer das?“
„Der Mann mit dem Mantel.“
„Meine Schweſter,“ ſagte Madame Eliſabeth,„ſpre⸗ chen Sie ein paar Worte des Troſtes zu ihr.“
„Ohl ſehr gern,“ verſetzte die Königin.„In der That, ich glaube, das wird das Kürzeſte ſein.“
Dann ſich gegen die Wahnſinnige umwendend:
„Gute Frau, was wünſchen Sie?“
„Ich wünſche, daß Sie mir alle Leiden vergeben, die ich Ihnen durch die Beleidigungen, welche ich Ihnen angethan, und durch die Anzeigen, die ich gemacht, berei⸗ tet habe, und daß Sie, wenn Sie den Mann mit dem Mantel ſehen, ihm befehlen, meine Tochter zu retten, weil er Alles thut, was Sie wollen.“
„Ich weiß nicht, was Sie mit dem Mann im Man⸗ tel ſagen wollen,“ entgegnete die Königin;„doch wenn
es ſich nur darum handelt, daß Sie zur Beruhigung
Ihres Gewiſſens Vergebung der Beleidigungen erlangen, die Sie mir angethan zu haben glauben, ohl ſo vergebe ich Ihnen aufrichtig und aus der Tiefe meines Herzens, arme Frau; möchten diejenigen, welche ich beleidigt habe, mir ebenſo verzeihen.“
„Oh!“ rief die Tiſon in einem Tone unausſprech⸗ licher Freude,„nun da Sie mir vergeben haben, wird er meine Tochter retten. Ihre Hand, Madame, Ihre Hand!"


