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„Hier ſind wir,“ ſprach der Municipal, der dieſen in ſeiner Einfachheit ſo großen Schmerz ehrend ſtehen geblieben war.
„Vorwärts,“ ſagte die Königin.
Und ſie ſtieg vollends hinab.
Als die Gefangenen unten an die Wendeltreppe vor die letzte Thüre kamen, der Pforte gegenüber, unter der die Sonne breite, goldene Lichtſtreifen zog, ließ i den
„
ler ein Raſſeln hören, das die Wache zuſammenrief, Dann trat ein tiefes Stillſchweigen, durch die Neugierk weran⸗ laßt, ein, und die ſchwere Pforte öffnete ſich langſam, auf ihren kreiſchenden Angeln rollend.
Eine Frau ſaß auf dem Boden, oder lag vielmehr in dem Winkel des Eckſteines, der an dieſe Pforte ſtieß. Es war die Tiſon, welche die Königin ſeit vier und zwan⸗ zig Stunden nicht geſehen hatte, eine Abweſenheit, die wiederholt am Abend des vorhergehenden Tages und am Morgen dieſes Tages ihr Staunen erregte.
Die Königin ſah bereits den Tag, die Bäume, den Garten, und jenſeits der Schranke, welche dieſen Garten ſchloß, ſuchte ihr gieriges Auge die kleine Hutte der Wein⸗ ſchenke, wo ihre Freunde ohne Zweifel ihrer harrten, als bei dem Geräuſch ihrer Tritte die Tiſon ihre Hände zu⸗ rückzog und die Königin ein bleiches, unter den ergrauen⸗ den Haaren gebrochenes Geſicht erblickte. 3
Die Veränderung war ſo groß, daß die Königin er⸗ ſtaunt ſtille ſtand.
Mit der Langſamkeit der Leute, bei denen die Ver⸗ nunft mangelt, kniete die Tiſon ſodann vor dieſe Thüre und verſperrte Marie Antoinette den Durchgang.
„Was wollen Sie, gute Frau?“ fragte die Königin.
„Er hat geſagt, Sie müßten mir vergeben.“
„Wer dies?“
„ Der Mann mit dem Mantel,“ antwortete die Tiſon.
Die Königin ſchaute Madame Eliſabeth und ihre Tochter voll Erſtaunen an.
„Geht, geht,“ ſprach der Municipal,„laßt die Witwe


