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nützung der Freiheit, die man mir geſtattet, zu reclami⸗ ren; ich werde Ihnen ſehr dankbar dafür ſein.“
Die Königin ſprach dieſe Worte mit einem zugleich ſo ſanften und ſo würdigen Tone, ſie vermied ſo ſorgfäl⸗ tig jede Bezeichnung, welche die republikaniſche Pruderie des Municipals verletzen konnte, daß dieſer, der bedeckt vor ihr erſchienen war, wie dies die Mehrzahl dieſer Men⸗ ſchen zu thun pflegte, allmälig ſeine rothe Mütze vom Kopfe nahm, ſich, als ſie vollendet hatte, vor ihr verbeugte und erwiederte:
„Seien Sie unbeſorgt, Madame, man wird von dem Bürger General die Erlaubniß verlangen, welche Sie zu haben wünſehen“
Dann entfernte er ſich und wiederholte gleichſam, um ſich ſelbſt zu überzeugen, daß er der Billigkeit und nicht einer Schwäche nachgebe.
„Es iſt billig, es iſt im Ganzen nur billig.“
„Was iſt billig?“ fragte der andere Municipal.
„Daß dieſe Frau ihre Tochter, welche krank iſt, ſpazieren führt.“
„Hernach?... was verlangt ſie?“
„Sie verlangt, hinabzuſteigen und eine Stunde im
Garten ſpazieren zu gehen.“
des Temple auf den Revolutionsplatz zu gehen, das wird ein Spaziergang für ſie ſein“
„Bah!“ verſetzte der Andere;„ſie begehre vom Fuße
Die Königin hörte dieſe Worte und erbleichte; doch
ſie ſchöpfte zugleich in denſelben einen neuen Muth für das
große Ereigniß, das ſich vorbereitete.
Der Municipal vollendete ſein Frühſtück und ging hinab. Die Königin verlangte, ihrerſeits mit ihrer Toch⸗ ter in ihrem Zimmer zu frühſtücken, was ihr bewilligt wurde.
Um das Geruͤcht ihrer Krankheit zu bekräftigen, blieb Madame Royal liegen und Madame Eliſabeth und die Königin verweilten bei ihrem Bette. 3
Um eilf Uhr kam Santerre, ſeiner Gewohnheit ge⸗
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