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Durch eine Würde, welche zur Zeit ihrer Wohlfahrt mehr den Charakter des Hochmuths gehabt hatte, aber durch dreijährige Leiden gemildert worden war, gleichſam unterjocht, zog ſich der Municipal indeſſen zurück.
Einen Augenblick nachher erloſch die Lampe und die drei Frauen entkleideten ſich wie gewöhnlich ohne Licht, indem ſie aus der Finſterniß einen Schleier für ihre Scham⸗ haftigkeit machten.
Am andern Morgen um neun Uhr las die Königin, in die Vorhänge ihres Bettes eingeſchloſſen, das Billet vom vorhergehenden Tage noch einmal, um ſich in keiner Hinſicht von den Inſtructionen, die es enthielt, zu entfernen, zerriß es in beinahe ungreifbare Stuckchen, kleidete ſich hin⸗ ter ihren Vorhängen an, weckte ihre Schwägerin und be⸗ gab ſich zu ihrer Tochter.
Einen Augenblick nachher ging ſie hinaus und rief die Municipale von der Wache.
„Was willſt Du, Bürgerin?“ fragte einer von ihnen an der Thüre erſcheinend, während der andere ſich nicht einmal in ſeinem Frühſtück ſtören ließ, um den königlichen Ruf zu erwiedern.
„Mein Herr,“ ſprach Marie Antoinette,„ich komme aus dem Zimmer meiner Tochter, die Arme iſt in der That ſehr krank. Ihre Beine ſind aufgeſchwollen und ſchmerzhaft, denn ſie macht ſich zu wenig Bewegung. Sie wiſſen aber, mein Herr, ich habe ſie zu dieſer Unthätig⸗ keit verurtheilt. Ich hatte Erlaubniß, im Garten ſpa⸗ zieren zu gehen, doch ich mußte, um hinabzugehen, an der Thüre des Zimmers vorüber, das mein Gemahl zu ſeinen Lebzeiten bewohnte; im Augenblick, wo ich an die⸗ ſer Thüre vorüberkam, wurde mir ſchwach; ich beſaß nicht die Kraft, ſtieg wieder hinauf und beſchränkte mich auf den Spaziergang auf der Terraſſe. Dieſer Spaziergang iſt nun ungenügend für die Geſundheit meiner armen Toch⸗ ter, und ich bitte Sie daher, Bürger Municipal, in mei⸗ nem Namen bei dem Bürger General Santerre die Be⸗


