Teil eines Werkes 
Der Chevalier von Maison-Rouge : Episode von 1793 : 1.-4. Bändchen (1847) Le Chevalier de Maison-Rouge
Entstehung
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Oder wäre dieſes Billet etwa eine Falle? verſetzte Madame Eliſabeth. 4

Nein, nein, ſprach die Königin:dieſe Charaktere haben mir ſtets die Gegenwart eines geheimnißvollen, aber ſehr wackern und ſehr treuen Freundes geoffenbart.

Das Billet kommt vom Chevalier? fragte die junge Prinzeſſin.

3Von ihm ſelbſt, antwortete die Königin.

Madame Eliſabeth faltete die Hände.

Wir wollen das Billet, jede ihrerſeits, leiſe noch einmal leſen, ſagte die Königin,damit wenn eine von uns etwas vergäße, die andere ſich deſſelben erinnerte.

Und alle drei laſen noch einmal mit den Augen, als ſie aber hiemit zu Ende waren, hörten ſie die Thüre ihres Zimmers ſich auf ihren Angeln drehen. Die zwei Prin⸗ zeſſinnen wandten ſich um, die Königin allein blieb, wie ſie war; nur hob ſie mit einer beinahe unmerklichen Be⸗ wegung das kleine Billet an ihre Haare und ſteckte es in ihre Friſur.

Es war einer von den Municipalen, der die Thüre öffnete

Was wollen Sie, mein Herr? fragten gleichzeitig Madame Eliſabeth und Madame Royale.

Hm! ſagte der Municipal,mir ſcheint, Sie gehen heute ſehr ſpät zu Bette.

Iſt durch eine neue Verordnung der Gemeinde vor⸗ geſchrieben, zu welcher Stunde ich zu Bette gehen ſoll? verſetzte die Königin, indem ſie ſich mit ihrer gewöhnlichen Würde umwandte.

Nein, Bürgerin, ſagte der Municipal,doch wenn es nothwendig iſt, wird man eine erlaſſen.

Mittlerweile, mein Herr, ehren Sie, ich ſage nicht das Zimmer einer Königin, aber das einer Frau, ſprach Marie Antoinette.

In der That, brummte der Municipal,dieſe Ari⸗ ſtokraten ſprechen immer, als ob ſie Etwas wären.