„Weil es dann kürzer geweſen wäre, Sie hätten ge⸗ ſagt, ich ſei Ihre Frau,“ erwiederte ſie lachend.
„Madame,“ ſprach Maurice,„der Name Frau iſt ein heiliger Titel, den man nicht leichtſinnig geben muß. Ich habe nicht die Ehre, Sie zu kennen.“
Nun war die Reihe an der Unbekannten, ſie fühlte ebenfalls, wie ihr Herz ſich zuſammenſchnürte, und verſank
auch in ein Stillſchweigen.
In dieſem Augenblick gingen ſie über den Pont Marie.
Die junge Frau marſchirte immer ſchneller, je mehr man ſich dem Ziele des Laufes näherte.
Man kam über den Pont de la Tournelle.
„Wir ſind, glaube ich, in Ihrem Quartier,“ ſagte Maurice, als er den Fuß auf den Quai Saint⸗Bernard ſetzte.
„Ja, Bürger,“ ſprach die Unbekannte,„doch gerade hier bedarf ich Ihres Beiſtands am meiſten.“
„In der That, Madame, Sie verbieten mir, indiseret zu ſein, und thun zu gleicher Zeit Alles, was Sie können, um meine Neugierde rege zu machen. Ich bitte, etwas Vertrauen, ich habe es, wie ich glaube, wohl verdient. Werden Sie mir nicht die Ehre erweiſen, mir zu ſagen, mit wem ich ſpreche?“ 3
„Mein Herr,“ verſetzte die Unbekannte lächelnd,„Sie ſprechen mit einer Frau, die Sie von der größten Gefahr, welcher ſie je preisgegeben war, gerettet haben, und die Ihnen ihr ganzes Leben dankbar ſein wird.“
„Ich verlange nicht ſo viel von Ihnen, Madame; ſeien Sie minder dankbar und ſagen Sie mir in dieſer Sekunde Ihren Namen.“
„Unmöglich.“
„Sie hätten ihn doch dem erſten beſten Sectionär ge⸗ nannt, der Sie auf den Poſten geführt haben würde.“ „Nein, niemals!“ rief die Unbekannte.
„Dann wären Sie in den Kerker gebracht worden.“ „Ich war zu Allem entſchloſſen.“ „Aber der Kerker in dieſem Augenblick...“
„Iſt das Schaffot, ich weiß es.“


