Teil eines Werkes 
Der Frauenkrieg : 7.-8. Bändchen (1846)
Entstehung
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den letzten Refler der von ihr vergoſſenen Thränen, hatten, erhob ſich ein ſchmerzliches Gemurmel um die Prinzeſſin.

Claire ſchien es nicht zu bemerken.

Lenet kam ihr tief erſchüttert entgegen und reichte ihr die Hand.

Aber ohne ihm die ihrige dagegen zu bieten, machte Claire eine Verbeugung voll erhabenen Anſtands und ging durch die ganze Länge des Saales mit feſtem Schritte, obgleich ſie ſo bleich war, daß man jeden Augenblick be⸗ fürchten mußte, ſie würde fallen.

Sehr bewegt und ſelbſt ſehr bleich, ſah die Prinzeſſin

Claire mit einem Gefühle vorſchreiten, das dem Schrecken glich, und ſie beſaß nicht die Kraft, dieſes Gefübl zu ver⸗ bergen, welches ſich unwillkührlich auf ihrem Antlitz aus⸗ rägte. Madame, ſprach die Vicomteſſe mit ernſtem Tone, ich habe Euere Hoheit um die Gnade einer Audienz ge⸗ beten, um ſie im Angeſichte Aller zu fragen, ob ſie, ſeit⸗ dem ich ihr zu dienen die Ehre gehabt habe, mit meiner Treue und Ergebenheit zufrieden geweſen iſt.

Die Prinzeſſin drückte ihr Taſchentuch an ihre Lippen und antwortete ſodann:

Allerdings, theuere Vicomteſſe, ich bin bei jeder Ge⸗ legenheit vollkommen mit Euch zufrieden geweſen und habe Euch meine Dankbarkeit mehr als einmal ausge⸗ drückt.

Dieſes Zeugniß iſt koſtbar für mich, erwiederte die Vicomteſſe,denn es berechtigt mich, Euere Hoheit zu bitten, mir gnädigſt meinen Abſchied gewähren zu wollen.

Wie! rief die Prinzeſſin,Ihr verlaßt mich, Claire? 4

Claire verbeugte ſich ehrfurchtsvoll und ſchwieg.

Man ſah auf allen Geſichtern die Scham, die Reue und den Schmerz. Eine Todesſtille ſchwebte über der Verſammlung.