Teil eines Werkes 
Der Frauenkrieg : 7.-8. Bändchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

211

Ihr dieſen Brief leſet, habe ich nur noch eine Meile zu⸗ rückzulegen, um mit Allem, was ich beſitze, nach Bor⸗ deaux zu gelangen; Ihr liefert mich dem Volke aus, das mich haßt, denn es wollte mich bereits zweimal erwür⸗ gen, und behaltet meine Reichthümer, welche ſich auf zwei Millionen belaufen. Oh! Madame, auf den Knieen flehe ich Euch um dieſe Gnade an; ich trage zum Theil die Schuld an dieſem Kriege; bin ich todt, ſo iſt der Friede in der Provinz hergeſtellt, und Euere Hoheit trium⸗ phirt. Madame, eine Viertelſtunde Friſt! Ihr laßt Ca⸗ nolles nicht eher frei, als bis Ihr mich in Händen habt; aber dann, bei Euerer Seele, nicht wahr, dann laßt Ihr ihn frei?

Und ich bin Euere ehrerbietige und dankbare

Nanon von Lartigues.

Cauvignac war, nachdem er dieſe Zeilen geleſen hatte, ganz erſtaunt, als er ſein Herz übervoll und ſeine Augen feucht fühlte.

Er blieb einen Augenblick unbeweglich und ſtumm, als könnte er nicht an dieſe Worte glauben. Plötzlich aber rief er:.

Es iſt alſo wahr, es gibt auf dieſer Welt edle Her⸗ zen, nur aus Vergnügen, ſo zu ſein! Mord und Tod! man wird ſehen, daß ich ſo gut wie jeder Andere in Stande bin, Edelmuth zu üben, wenn es ſein muß. Und da er ſich am Thore der Stadt befand, übergab er ſeinen Brief Barrabas mit der einfachen Inſtruktion:

Auf Alles, was man Dir ſagen wird, antworte nur: Befehl des Koͤnigs! und händige dieſen Brief keiner andelg Perſon als Frau von Condsè ſelbſt ein.

Während Barrabas nach dem von der Frau Prin⸗ zeſſin bewohnten Pallaſte eilte, ſchlug Cauvignae den Weg nach dem Schloſſe Trompette ein.

Barrabas ſtieß auf kein Hinderniß; die Straßen wa⸗ ren verlaſſen, die Stadt ſchien leer, die ganze Bevölkerung war nach der Eſplanade gezogen. An dem Thore des Pallaſtes