202 ſcherzte, ich lachte... Wohl, beim Himmel, der mich
hört und vielleicht Unrecht gegen mich hat, und beim
Teufel, der in dieſem Augenblick mit meinem guten Engel kämpft, ich werde es heute machen, wie ich es an jenem Tage gemacht habe, und wenn ich nicht mehr kämpfe, ſo werde ich wenigſtens noch ſcherzen, ſo werde ich wenig⸗ ſtens immer lachen.“
Sogleich wurde ſein Geſicht ruhig, als ob jede Er⸗ ſchütterung aus ſeinem Herzen entflohen wäre; er fuhr mit der Hand durch ſeine ſchönen ſchwarzen Haare, näherte ſich mit feſten Schritten und ein Lächeln auf den Lippen Herrn von Larochefoucault und Lenet, und ſprach:
„Meine Herren, in dieſer Welt voll verſchiedenartiger, ſeltſamer, unerwarteter Vorfälle muß man ſich an Alles gewöhnen; ich habe, und es war Unrecht von mir, daß ich Euch nicht um Erlaubniß hiezu bat, ich habe mir eine Minute genommen, um mich an den Tod zu gewöh⸗ nen; iſt dies zu viel, ſo genehmigt meine Entſchuldigung, daß ich Euch warten ließ.“
Ein tiefes Erſtaunen durchlief die Gruppen; der Ge⸗ fangene ſelbſt fühlte, daß man vom Erſtaunen zur Be⸗ wunderung überging, und dieſes ſo ſtolze Gefühl erhob ihn und verdoppelte ſeine Kräfte.
„Wenn Ihr wollt, meine Herren,“ ſagte er,„ſo erwarte ich Euch.“
Eine Minute lang von Bewunderung ergriffen, nahm der Herzog ſein Phlegma wieder an und machte ein Zei⸗
en.
Auf dieſes Zeichen öffneten ſich die Thore abermals und der Zug wollte ſich in Marſch ſetzen.
„Einen Augenblick,“ rief Lenet,„um Zeit zu ge⸗ winnen,„einen Augenblick, Herr Herzog!“
„Nicht wahr, wir führen Herr von Canolles zum Tode?
Der Herzog machte eine Geberde des Erſtaunens, und Canolles ſchaute Lenet verwundert an.


