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wagte ich es, ſie auf Euch allein laſten zu laſſen, auf Euch, der Ihr Soldat, auf Euch, der Ihr Edelmann ſeid.“
„Ich werde ſie alſo nicht mehr ſehen!“ ſtammelte Canolles, den die Erſchütterung beinahe erſtickte.„Als Ihr mich ſie zu küſſen auffordertet, war es zum letzten Male?“
Ein Schluchzen, ſtärker als der Stoicismus, als die Vernunft, als der Stolz, brach die Bruſt von Lenet; er zog ſich zurück und weinte bitterlich. Canolles ließ nun ſeinen durchdringenden Blick auf allen den Menſchen um⸗ hergehen, die ihn umgaben; er ſah nur durch den grau⸗ ſamen Tod von Richon verhärtete Leute, welche ſeine Hal⸗ tung beobachteten.
„Ohl es iſt ein furchtbarer Gedanke,“ murmelte der junge Mann in einem Momente übermenſchlicher Hellſich⸗ tigkeit, welche der Seele unermeßliche Horizonte auf Alles eröffnet, was man das Leben nennt, das heißt auf einige kurze Augenblicke, welche wie Inſeln mitten in einen Ocean von Thränen und Leiden geworfen ſind...„es iſt gräßlich. Ich hatte da eine angebetete Frau, welche mir zum erſten Male ſagte, ſie liebe mich! eine lange und ſchöne Zukunft! die Erfüllung eines Traumes meines ganzen Lebens! und in einer Sekunde nimmt der Tod die Stelle von allem Dem ein!“
Sein Herz ſchnürte ſich zuſammen, und er fühlte ein Prickeln in ſeinen Augen, als ob er weinen ſollte; doch er erinnerte ſich, daß er, wie Lenet geſagt hatte, Sol⸗
dat und Mann war!
„Stolz,“ dachte er,„einziger Muth, welcher wirk⸗ lich beſteht, komm' mir zu Hülfe! Ich ſoll ein ſo erbärm⸗ liches Ding wie das Leben beweinen! Wie man lachen würde, wenn man ſagen könnte:„„Als Canolles erfuhr, daß er ſterben ſollte, weinte er.““ Wie machte ich es an dem Tage, als man Saint⸗George belagerte und die Bor⸗ deleſen mich wie heute tödten wollten? Ich kämpfte, ich


