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Tiefen des Waldes, die Horizonte der Ebene, die Krüm⸗ mungen des Fluſſes zu ſondiren. Alles vergebens, er ſah nichts.
3 Und als es völlig Nacht geworden war, erleuchtete ſich ein Flügel des Schloſſes Cambes: es war das erſte Mal, daß Canolles daſelbſt Licht erblickte, ſeitdem er ſich auf der Inſel Saint⸗George befand.
„Ah!“ ſagte er,„die Retter von Nanon ſind an ihrem Poſten.“ Und ein tiefer Seufzer entſtieg ſeiner Bruſt.
„Welch ein ſeltſames, geheimnißvolles Räthſel um⸗ ſchließt das menſchliche Herz! Canolles liebte Nanon nicht mehr, Canolles betete Frau von Cambes an, und dennoch fühlte Canolles ſeine Seele in dem Augenblick brechen, wo er ſich von derjenigen, welche er nicht mehr liebte, trennen ſollte; nur fern von ihr und wenn er ſie zu verlaſſen im Begriffe war, fühlte er die wahre Kraft der ſon⸗ derbaren Zuneignng, die er für dieſes reizende Geſchöpf hegte.
Die ganze Garniſon war auf den Wällen, um zu wachen. Des Schauens müde, befragte Canolles die nächt⸗ liche Stille. Nie war eine Finſterniß ſtummer geweſen,
kein Geräuſch ſtörte dieſe Ruhe, welche die einer Wüſte zu
ſein ſchien.
Plötzlich kam Canolles der Gedanke, der Feind würde vielleicht durch den von ihm durchforſchten unterirdiſchen Gang in das Fort dringen. Es war dies nicht ſehr wahrſcheinlich, denn in dieſem Falle würde man ihn nicht zum Voraus darauf aufmerkſam gemacht haben; nichts⸗ deſtoweniger beſchloß er, dieſen Gang zu bewachen. Er ließ ein Pulverfaß mit einer Lunte bereit halten, wählte den Bravſten von ſeinen Sergenten, wälzte das Faß auf die letzte Stufe des unterirdiſchen Gewölbes, zündete eine Fackel an und gab ſie dem Sergenten in die Hand. Zwei Soldaten ſtanden in ſeiner Nähe.
„Wenn ſich mehr als ſechs Menſchen in dieſem Gange


