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kannte er über ſeinem Haupte das ungeheure Toſen des ſein Gewäſſer nach dem Meere wälzenden Fluſſes.
Mehre Spalten hatten ſich in dem Gewölbe gebildet, durch welche in verſchiedenen Perioden Waſſer eingedrungen ſein mußte, aber ohne Zweifel zu rechter Zeit wahrge⸗ nommen, hatte man dieſe Spalten mit einem Cement ver⸗ ſtopft, das ſpäter härter geworden war, als der Stein, den es befeſtigte.
Beinahe zehn Minuten lang hörte Canolles das Rol⸗ len des Waſſers über ſeinem Kopfe; dann verminderte ſich das Geräuſch allmälig und bald war es nur noch ein Gemurmel. Endlich erloſch das Gemurmel ebenfalls, Stillſchweigen trat ein, und nachdem er fünfzig Schritte unter dieſem Stillſchweigen gemacht hatte, gelangte Ca⸗ nolles zu einer Treppe, der ähnlich, auf welcher er her⸗ abgeſtiegen war; dieſe Treppe ſchloß auf ihrer letzten Stufe
Heeine maſſive, durch eine eiſerne Platte feuerfeſte, Thüre, welche zehn Mann mit vereinigten Kräften nicht zu er⸗ ſchüttern im Stande geweſen wären.
„Nun begreife ich,“ ſagte Canolles;„man wird Na⸗ non an dieſer Thüre erwarten und ſie retten.“
Canolles kehrte um, ging unter dem Waſſer durch, fand ſeine Treppe wieder, ſtieg in ſein Zimmer hinauf, befeſtigte das Band und begab ſich äußerſt nachdenkend zu Nanon.
Nanon war, wie gewöhnlich, umgeben von Karten, Briefen und Büchern. Die arme Frau führte auf ihre Weiſe den Bürgerkrieg für den Koͤnig. Sobald ſie Ca⸗ nolles gewahrte, reichte ſie ihm entzückt die Hand und ſprach:
e König kommt, und in acht Tagen ſind wir au⸗ ßer Gefahr.“
„Er kommt immer,“ erwiederte Canolles,„doch leider trifft er nie ein.“
„Oh! dießmal bin ich gut unterrichtet, lieber Baron, und er wird vor acht Tagen hier ſein.“


