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würden Canolles ſeinen erſten Sieg theuer bezahlen laſſen. Aber es war noch ſchlimmer, als d'Eſpagnet erſchien, um durch ſeine Betheuerungen die Zuſagen von Lenet zu überbieten.
„Madame,“ ſagte er zu der Prinzeſſin,„Euere Hohelt mag ſich beruhigen, ſtatt viertauſend Mann werden wir achttauſend ſchicken; ſtatt ſechs Kanonen pflanzen wir zwölf auf; ſtatt hundert Mann verlieren wir zweihundert, dreihundert, vierhundert, wenn es ſein muß, aber wir nehmen Saint⸗George.“
„Bravo! Herr,“ rief der Herzog:„das heiße ich ſprechen; Ihr wißt, daß ich Euer Mann bin, ſei es als Anführer, ſei es als Freiwilliger, ſo oft Ihr die⸗ ſes Unternehmen verſuchen werdet. Doch bedenkt, daß bei fünfhundert Mann jedes Mal, wenn wir nur vier Züge wie dieſen annehmen, unfer Heer auf den fünf⸗ ten Theil vermindert werden wird.“
„Herr Herzog,“ erwiederte d'Eſpagnet,„wir haben in Bordeaux dreißigtauſend waffenfähige Männer. Wir ſchleppen, wenn es ſein muß, alle Kanonen des Ar⸗ ſenals vor die Feſtung; wir machen ein Feuer, das einen Granitberg in Staub zu verwandeln im Stande iſt; ich ſetze ſelbſt an der Spitze der Sapeurs über den Fluß und wir nehmen Saint⸗George: ſo eben haben wir zu dieſem Behuf einen feierlichen Eid geleiſtet. 2
„Ich zweifle, ob Jör Saint⸗George nehmen wer⸗ det, ſo lange Herr von Canolles am Leben iſt,“ ſprach Claire mit einer beinahe unverſtändlichen Stimme.
Wohl,“ erwiederte d'Eſpagnet,„wir tödten ihn ndes. laſſen ihn tödten, und erobern Saint⸗George her⸗ nach.“— Frau von Cambes drängte einen Angſtſchrei zu⸗ rück, der aus ihrer Bruſt hervorbrechen wollte. 3
„Will man Saint⸗George nehmen??
„Wie! ob man es will,“ rief die Prinzeſſin. 734 glaube wohl, denn n man will nur dieſes.
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