Teil eines Werkes 
Der Frauenkrieg : 4.-6. Bändchen (1846)
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201 Oh! ſo lange Ihr commandirt, ſtehe ich für es.

Ja; aber gerade weil ich commandire, kann ich getödtet werden. Nanon, was würdet Ihr in dieſem Falle thun? Habt Ihr wenigſtens hiefür vorge⸗ ſehen?

Ja, antwortete Nanon ebenfalls lächelnd.

Wohl, haltet Euer Gepäcke bereit. Ein Boots⸗ mann wird an einem bezeichneten Poſten ſein; müßt Ihr ins Waſſer ſpringen, ſo habt Ihr vier von mei⸗ nen Leuten, gute Schwimmer, denen Befehl gegeben worden iſt, Euch nicht zu verlaſſen, und die Euch an das andere Ufer bringen werden.

Alle dieſe Vorſichtsmaßregeln ſind unnöthig, Ca⸗ nales werdet Ihr getödtet, ſo brauche ich nichts mehr.

Man meldete, daß aufgetragen war. Zehnmal während des Abendbrodes ſtand Canolles auf und ging an das Fenſter, von welchem aus man nach dem Fluſſe ſehen konnte; vor dem Ende des Mahles verließ Ca⸗ nolles die Tafel Die Nacht brach eben ein.

Nanon wollte ihm folgen.

Nanon, ſprach Canolles,kehrt zurück und ſchwört mir, nicht auszugehen. Wenn ich Euch außen wüßte... irgend einer Gefahr preisgegeben, könnte ich nicht mehr für mich ſtehen. Nanon, es handelt

ſich um meine Ehre, ſpielt nicht mit meiner Ehre.

Nanon reichte Canolles ihre Lippen, deren Roth ſich noch mehr durch die Bläſſe ihrer Wangen hervor⸗ hob, und kehrte dann mit den Worten zurück:

Ich gehorche Euch, Canolles; Freunde und Feinde ſollen den Mann kennen lernen, den ich liebe; geht!

Canolles entfernte ſich; er konnte nicht umhin, dieſe unter alle ſeine Wünſche ſich beugende, in allen Stücken ſeinem Willen gehorchende Natur zu bewun⸗

dern. Kaum war er an ſeinem Poſten, als die Nacht furchtbar und drohend eintrat, wie ſie ſtets erſcheint,

Der Frauenkrieg. I. 14