33
„Ich fand die zwei Prinzeſſinnen im Bette, die Frau Wittwe ſehr krank, die Frau Prinzeſſin ermüdet von einer Jagd, die ſie am Tage gemacht hatte.
„Nach den Inſtructionen Euerer Eminenz habe ich mich zu Ihren Hoheiten verfügt, welche in demſelben Augenblick alle ihre Gäfte verabſchiedeten, und ich be⸗ wache zu dieſer Stunde die Frau Prinzeſſin und ihren Sohn unter meinen Augen.“—
.„Und ihren Sohn,“ wiederholte Canolles, ſich ge⸗ gen die Vicomteſſe umwendend.„Teufell ich glaube, ich lüge, und doch möchte ich nicht gern lügen.“
„Beruhigt Euch,“ verſetzte Claire lachend,„wenn Ihr meinen Sohn nicht geſehen habt, ſo werdet Ihr ihn ſehen.“
„Und ihren Sohn unter meinen Augen,“ fuhr Ca⸗ nolles lachend fort.
Dann den Brief wieder aufnehmend, wo er ab⸗ gebrochen hatte:
„Jch habe die Ehre aus dem Zimmer der Frau Prinzeffin und an ihrem Kopfkiſſen ſitzend dieſen Brief Euerer Eminenz zu ſchreiben.“
Er unterzeichnete und zog, nachdem er Claire ehr⸗ furchtsvoll um Erlaubniß gebeten hatte, an einer Klin⸗ gelſchnur: ein Kammerdiener erſchien.
„Ruft meinen Lackei,“ ſprach Canolles,„un benachrichtigt mich, wenn er im Vorzimmer iſt.“
Fünf Minuten nachher meldele man dem Baron, Caſtorin wäre an ſeinem Poften.
„„Nimm,“ ſagte Canolles zu ihm,„bringe dieſes Billet dem Officter, der meine zweihundert Mann commandirt, ſage ihm, er ſolle es durch einen eigenen Boten nach Paris ſchicken.“
„Aber Herr Baron“ entgegnete Caſtorin, dem
die Vollziehung eines ſolchen Auftrags mitten in der
Nacht äußerſt unangenehm vorkam,„ich glaube Euch Pſagt zu haben, daß ich von Herrn Pompee in den Dienſt der Frau Prinzeſſin aufgenommen worden bin.“


