31 erſchießt mich vielleicht und das iſt ganz einfach; denn ich habe verrathen.“
Claire fließ einen Schrei aus und ergriff ſelbſt die Hand von Canolles, welche ſie mit einer reizenden Verwirrung ſogleich wieder fallen ließ.
„Was wollen wir denn thun?“ fragte ſie.
Das Herz des jungen Mannes dehnte ſich aus, dieſes ſelige wir wurde entſchieden das Lieblingswort von Frau von Cambes.
„Euch zu Grunde richten, Euch, der Ihr ſo edel⸗ müthig ſeid!“ fuhr ſie fort,„Ich, Euch in das Ver⸗ derben ſtürzen... ohl nie. Um welchen Preis kann ich Euch retten? ſprecht, ſprecht.“
„Ihr müßtet mir erlauben, Madame, meine Rolle bis zum Ende zu ſpielen. Ich ſollte, wie ich ſagte, als Euer Thor erſcheinen, und Herrn von Mazarin von dem, was ich ſehe, und nicht von dem, was ich weiß, Meldung machen.“
„Ja, aber wenn man wüßte, daß Ihr Alles dies für mich thut, wenn man erführe, daß wir uns bereits begegnet haben, daß Ihr mich bereits geſehen habt, wäre ich ebenfalls verloren; bedenkt das!“
„Madame,“ ſprach Canolles mit vortrefflich ge⸗ ſpielter Schwermuth,„bei Euerer kalten Miene, bei Euerer Würde, welche in meiner Gegenwart zu be⸗ haupten Euch ſo wenig koſtet, glaube ich nicht, daß Ihr Euch ein Geheimniß entſchlüpfen laſſen würdet, welches überdies, in Euerem Herzen wenigſtens, nicht
beſteht.“.
Claire ſchwieg, aber ein flüchtiger Blick und ein un⸗ merkliches Lächeln, welches unwillkürlich die Lippen der ſchönen Gefangenen umſpielte, antworteten Canolles auf eine Weiſe, die ihn zum glücklichſten Sterblichen machte.
„Ich werde alſo bleiben?“ ſagte er mit unaus⸗ ſprechlicher Freude.
„Da es ſein muß!“ erwiederte die Vicomteſſe.
„Dann ſchreibe ich Herrn von Mazarin.“


