„Sehr gewaltthätig, das ſage ich Euch zum Voraus.“ „Selbſt bei Ihrer Hoheit?“
„Warum nicht? Ihre Hoheit iſt nur die erſte Un⸗
terthanin Seiner Majeſtät.“
„Mein Herr, verſucht nicht Gewalt. Ich habe fünfzig bewaffnete Leute, bereit die Ehre Ihrer Hoheit zu rächen.“
Canolles wollte ihm nicht ſagen: dieſe fünfzig be⸗ waffneten Leute wären eben ſo viele Lackeien und Kü⸗ chenjungen, würdig unter einem ſolchen Führer zu die⸗ nen; und was die Ehre der Prinzeſſin beträfe, ſo wäre dieſe gegenwärtig auf der Straße nach Bordeaux.
Er antwortete nur mit jener Kaltblütigkeit, welche mehr
einſchüchert, als eine Drohung, und dem muthigen, an Gefahren gewöhnten Menſchen eigenthümlich iſt: „Habt Ihr fünfzig bewaffnete Leute, mein Herr
Kapitän, ſo habe ich zweihundert Soldaten, welche die Vorhut eines königlichen Heeres bilden. Gedenkt Ihr Euch in offenen Aufruhr gegen Seine Majeſtät zu ſetzen?“
„Nein, mein Herr, nein,“ antwortete raſch und, wie es ſchien, ſehr herabgeſtimmt der dicke Mann. „Gott behüte mich; aber ich bitte Euch, mir zu be⸗ zeugen, daß ich nur der Gewalt weiche.“
„Das iſt das Geringſte, was ich Euch als einem Amtsgenoſſen ſchuldig bin.“
„Wohl, ich werde Euch alſo zu der Frau Prin⸗ zeſſin Wittwe führen, welche noch nicht eingeſchlafen iſt.)
Es bedurfte für Canolles keiner Ueberlegung, um die furchtbare Gefahr zu würdigen, welche für ihn in
dieſer Falle lag; aber er entzog ſich raſch derſelben mit Hülfe ſeiner Allmacht.
„Ich habe keinen Befehl, die Frau Prinzeſſin Wittwe zu beſuchen, wohl aber Ihre Hoheit die junge
Frau Prinzeſ ſin.“
Der Kapitän der Garden ſenkte abermals ſeinen
Kopf, verlieh ſeinen dicken Beinen eine rückſchreitende
Bewegung, ſchleppte ſeinen langen Degen auf dem Bo⸗ 4
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