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Schloſſe bleiben und Euere Hoheit überall, wohin es ihr zu gehen belieben wird, begleiten muß.“
„Alſo kann ich nicht einmal in meinem Zimmer allein ſein?“ rief die Prinzeſſin.„Oh, mein Herr, das iſt mehr als unwürdig!“
„Ich habe Euerer Hoheit bereits bemerkt, daß ſo meine Inſtructionen lauten; aber Euere Hoheit mag ſich beruhigen,“ fügte Canolles, einen durchdringenden Blick auf die Dame des Bettes heftend und jedes Wort be⸗ ſonders betonend, bei:„ſie muß beſſer als irgend Je⸗ mand wiſſen, daß ich der Bitte einer Frau Folge zu leiſten verſtehe.“
„Ich!“ rief die Prinzeſſin mit einem Tone, in welchem mehr Verlegenheit als Erſtaunen lag.„In der That, mein Herr, ich weiß nicht, was Ihr damit ſagen wollt. Ich kenne die Umſtände nicht, auf die Ihr anſpielt.“”0
„Madame,“ fuhr der Officier ſich verbeugend fort,„ich glaubte, der Kammerdiener, der mich ein⸗ führte, hätte Euerer Hoheit meinen Namen genannt. Ich bin der Baron von Canolles.“
„Wohl!“ ſprach die Prinzeſſin mit zlemlich feſter Stimme,„was iſt mir daran gelegen, mein Herr?“
„Ich glaubte bereits die Ehre gehabt zu haben, Euerer Hoheit angenehm zu ſein.“
„Mir, ich bitte, wie dies?“ fragte die Stimme mit einer Unruhe, welche Canolles an einen gewiſſen ſehr zornigen, aber zugleich ſehr furchtſamen Ton erin⸗ nerte, der in ſeinem Gedächtniß geblieben war.
Canolles dachte, er ſei weit genug gegangen; über⸗ dies war er beinahe ſicher in ſeiner Meinung.
„Indem ich meine Inſtructionen nicht nach dem Buchſtaben erfüllte,“ erwiederte er mit der Miene der tiefſten Achtung.
Die Prinzeſſin ſchien beruhigt und ſprach: „Mein Herr, ich will Euch nicht zu einem Ver⸗
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