Und wie es immer bei einer ſolchen Gelegenheit geſchieht, wo ſich der ſchwankende, geſtörte Geiſt auf etwas zu ſtützen ſucht, ſo ſchaute Canolles verwirrt um ſich her, und ſeine Augen hefteten ſich auf das Porträt der ihren Sohn an der Hand haltenden Frau.
Bei dieſem Anblick durchzuckte plötzlich ein Licht ſeinen Geiſt, und unwillkührlich machte er einen Schritt, um ſich dem Gemälde zu nähern.
Die falſche Prinzeſſin konnte ſich ihrerſeits eines leichten Schreies nicht enthalten, und als ſich Canolles bei dieſem Schrei umwandte, ſah er, daß ihr bereits verſchleiertes Geſicht nunmehr völlig maskirt war.
„Oh, oh!“ fragte Canolles ſich ſelbſt,„was ſoll das bedeuten? Entweder iſt es die Prinzeſſin, die ich auf dem Wege von Bordeaux getroffen habe, oder man bethört mich durch eine Liſt, und ſie iſt es nicht, welche in, dieſem Bette liegt. In jedem Fall werden wir ehen.“
„Madame,“ ſprach er plötzlich,„ich weiß nun, was ich von Euerem Stillſchweigen denken muß, und ich habe erkannt...“
„Was habt Ihr erkannt?“ rief lebhaft die Dam⸗ im Bett.
„Ich habe erkannt,“ erwiederte Canolles,„daß ich ſo unglücklich war, Euch dieſelbe Meinung einzuflößen⸗ die ich bereits der Frau Prinzeſſin Wittwe einflößte.“
„Ah,“ machte unwillkührlich die Stimme mit einem Seufzer der Erleichterung.
Der Satz von Canolles war keineswegs logiſch und bildete ſogar eine Abweichung in dem Geſpräch; aber der Schlag war gethan. Canolles hatte die ängſt⸗ liche Bewegung bemerkt, die ihn früher unterbrach, und
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die freudige Bewegung, welche ſeinen letzten Worten zu
Theil wurde.— „Nur,“ fuhr der Officier fort,„nur bin ich dar⸗ um nicht minder genöthigt, Euerer Hoheit zu ſagen, ſo
unangenehm mir auch die Sache ſein mag, daß ich im


