226
einen Moment gedauert hatte, da ſie bemüht geweſen war, ſogleich wieder in den Halbſchatten zurückzukehren, ihre Augen abermals zu verſchleiern, raſch ihre ſo weiße und zarte Hand, welche ihr Incognito verrathen konnte, zu verbergen, ſo verſuchte ſie es, nicht ohne eine gewiſſe innere Erſchütterung, aber wenigſtens ohne äußere Unruhe, das Geſpräch wieder anzuknüpfen, wo ſie es gelaſſen hatte.
3„Ihr ſagtet alſo, mein Herr?“ ſprach die junge rau...
Doch Canolles war geblendet, bezaubert; die Vi⸗ ſionen zogen vor ſeinen Augen hin und her; ſeine Ge⸗ danken wirbelten, er verlor das Gedächtniß, den Ver⸗ ſtand; er war im Bexgriff, die Achtung zu ver⸗ lieren und zu fragen. Ein einziger Inſtinkt, vielleicht derjenige, welchen Gott in das Herz der Liebenden gé⸗ legt hat, den die Frauen Schüchternheit nennen und der nur Geiz iſt, rieth Canolles, noch Verſtellung zu üben, zu warten, ſeinen Traum nicht zu verlieren, nicht durch ein unkluges, zu ſchnell entfahrenes Wort das Glück ſeines ganzen Lebens zu gefährden.—
Er fügte keine Geberde, keine Sylbe dem bei, was er genau ſagen und thun wollte. Großer Gott! was ſollte aus ihm werden, wenn dieſe erhabene Prin⸗ zeſſin ihn erkennen, in ihrem Schloſſe Chantilly einen Abſcheu gegen ihn faſſen würde, wie ſie Mißtrauen in dem Gaſthauſe des Meiſter Biscaros gegen ihn gefaßt hatte; wenn ſie auf die bereits aufgegebene Anklage zurückkäme und glaubte, er wolle mit einem offtztellen Titel, mit einem königlichen Titel ausgerüſtet Verfol⸗ gungen fortſetzen, welche gegen den Vicomte oder die Vicomteſſe von Cambes verzeihlich, aber beinahe frech und verbrecheriſch waren, wenn es ſich um eine Prin⸗ zeſſin von Geblüt handelte.
„Aber,“ dachte er plötzlich,„iſt es möglich, daß eine Prinzeſſin von dieſem Namen, von dieſem Range allein mit einem einzigen Diener reiſte?“


