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Wirkung hervorbringen und brachten ſie auch hervor. Als die Prinzeſſin dieſelben gehört hatte, erhob ſie ſich, ſtützte ſich auf den Ellenbogen und ſprach, die Augen glänzend, die Hand zitternd, und mit einer Geberde voll Bangigkeit gegen den Boten:
„Es iſt bei Gott entfernt nicht meine Abſicht, einen ſo braven Edelmann wie Ihr ſeid zu beleidigen. Nein, Herr von Canolles, ich hege keinen Verdacht gegen Eure Rechtſchaffenheit; rügt meine Worte, ſie ſind verletzend, ich gebe es zu, doch ich wollte Euch nicht verletzen; nein, nein, Ihr ſeid ein edler Cava⸗ lier, Herr Baron, und ich laſſe Euch volle Gerechtig⸗ keit widerfahren.“
Und da die Prinzeſſin, um dieſe Worte zu ſpre⸗ chen, ohne Zweifel fortgezogen durch die edelmüthige Bewegung, welche dieſelben ihrem Herzen entriß, ſich aus dem Schatten des Himmels, den die dicken Vor⸗ hänge bildeten, vorgebeugt hatte, da man ihre weiße Stirne unter der Haube, ihre in Flechten herabhän⸗ genden blonden Haare, ihre glühend rothen Lippen, ihre feuchten, ſanften Augen hatte ſehen können, ſo bebte Canolles; denn es zog ihm vor ſeinen Augen wie eine Viſion vorüber, und er glaubte abermals einen Wohlgeruch einzuathmen, der ihn ſchon in der Erinnerung berauſchte. Es kam ihm vor, als öffnete ſich eines von jenen goldenen Thoren, durch welche die Träume einziehen, um ihm den beflügelten Schwarm lachender Gedanken und Liebesfreuden zuzuführen. Sein Blick fiel ſicherer und klarer auf das Bett der Prin⸗ zeſſin, und in dem kurzen Raume einer Sekunde, wäh⸗ rend des raſchen Schimmers eines Blitzes, der die ganze Vergangenheit beleuchtete, erkannte er in der vor ihm liegenden Prinzeſſin den Vicomte von Cambes.
Seine Auffegung war ſeit einigen Augenblicken ſo groß, daß die falſche Prinzeſſin ſie auf Rechnung des ärgerlichen Vorwurfes ſetzen konnte, der ihm ſo wehe gethan hatte. Und da ihre Bewegung, wie geſagt, nur
Der Frauenkrieg. J. 15


