224
ich auch dieſer Ehre bin, Euerer Hoheit Geſellſchaft leiſte, und ſo viel in meinen Kräften ſteht, dazu bei⸗ trage, die gute Eintracht zwiſchen den Prinzen des kö⸗ niglichen Geblüts wiederherzuſtellen, welche ſich ohne Grund in einer ſo ſchmerzlichen Zeit entzweit haben.“
„Ohne Grund!“ rief die Prinzeſſin,„Ihr be⸗ hauptet, unſer Bruch habe keinen Grund?“
„Vergebt, Madame,“ verſetzte Canolles,„ich be⸗ haupte nichts, ich bin nicht Richter, ich bin nur Dol⸗ metſcher.“
„Und mittlerweile, bis ſich dieſe Eintracht wieder⸗ herſtellte, läßt mich die Königin beſpähen unter dem Vorwande...“
„Alſo bin ich ein Späher!“ ſprach Canolles mit bitterem Tone,„das Wort iſt heraus! Ich danke Eurer Hoheit für ihre Freimüthigkeit.“
Und in der Verzweiflung, die ſich ſeiner zu be⸗ mächtigen anfing, machte Canolles eine von den ſchö⸗
nen Bewegungen, welche mit ſo vieler Begierde die
Maler für ihre lebloſen Gemälde, die Schauſpieler für ihre lebenden Bilder ſuchen.
„Es iſt alſo feſtgeſtellt, ich bin ein Spion,“ fuhr Canolles fort.„Wohl, Madame, wollt mich behan⸗ deln, wie man ſolche Elende behandelt; vergeßt, daß ich der Geſandte einer Königin bin, daß dieſe Königin für alle meine Handlungen verantwortlich iſt, daß ich nur ein ihrem Hauche gehorchendes Atom bin. Laßt mich durch Eure Lackeien fortjagen, laßt mich durch Eure Edelleute tödten, ſtellt mir Leute gegenüber, denen ich mit dem Stock oder mit dem Degen antworten kann; wollt aber nicht ſo grauſam einen Officier be⸗ leidigen, welcher zugleich ſeine Pflicht als Soldat und als Unterthan erfüllt, Ihr, Madame, die Ihr durch die Geburt, das Verdienſt und das Unglück ſo hoch geſtellt ſeid!“
Dieſe Worte, dem Herzen entſprungen, ſchmerzlich
wie ein Seufzer, ſcharf wie ein Vorwurf, mußten ihre


