Teil eines Werkes 
Der Frauenkrieg : 1.-3. Bändchen (1845)
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Doch in der Zeit, von der wir ſprechen, das heißt gegen die Mitte des Monats Mai 1650, blühte das fragliche Dorf auf den zwei Seiten der Straße, welche dasſelbe wie eine große Pulsader nährte, mit dem erfreu⸗ lichſten Aufſchwunge der Vegetation und des Lebens. Der Fremde, der damals dahin gekommen wäre, hätte ſie ganz nach ſeinem Geſchmacke gefunden, dieſe Bauern, welche damit beſchäftigt waren, ihre Pferde an den Pflug zu ſpannen oder von demſelben abzuſpannen, dieſe Fiſcher, welche ihre Netze, in denen der weiß und roſen⸗ farbige Fiſch der Dordogne zappelte, an das Ufer zogen, und dieſe Hufſchmiede, wie ſie auf den Amboß ſchlugen, daß unter ihren Armen eine Funkengarbe emporſprang, welche die Schmiede mit jedem Hammerſchlage er⸗ leuchtete.

Am meiſten aber, beſonders wenn ihm ein langer Weg den Appetit gegeben hätte, der bei den Straßen⸗ läufern ſprüchwörtlich geworden iſt, würde ihn etwa fünfhundert Schritte von dem Dorfe ein niedriges, langes, nur aus einem Erdgeſchoße und einem Stock⸗ werke beſtehendes Haus erfreut haben, das durch ſei⸗ nen Kamin gewiſſe Dünſte und durch ſeine Fenſter ge⸗ wiſſe Gerüche von ſich gab, welche, noch mehr als die Figur eines vergoldeten Kalbes, gemalt auf eine Platte von rothem Zlech, die an einer eiſernen, in dem Gefſimſe des erſten Stockwerkes befeſtigten Stange ächzte, dem Fremden andeuteten, daß er end⸗ lich zu einem von den gaſtfreundlichen Häuſern gelangt war, deren Bewohner es gegen eine gewiffe Entſchä⸗ digung übernehmen, die Kräfte der Reiſenden wieder⸗ herzuſtellen.

Warum lag der Gaſthof zum Goldenen Kalb, wird man mir ſagen, fünfhundert Schritte vom Dorfe, ſtatt in ſeiner natürlichen Reihe unter den auf den beiden Seidn des Weges gruppirten lachenden Häuſern zu

ehen 8 Einmal war der Wirth, wenn auch gleichſam ver⸗