I.
In einiger Entfernung von Libourne, der ſo heiteren Stadt, welche ſich in dem raſchen Gewäſſer der Dor⸗ dogne ſpiegelt, zwiſchen Fronſac und Saint⸗Michel la⸗ Rivière, lag einſt ein hübſches Dorf mit weißen Mauern und rothen Dächern, halb verborgen unter Linden und Buchen. Die Straße von Libourne nach Saint⸗André⸗ de⸗Cubzac ging mitten durch die ſymmetriſch aneinander gereihten Häuſer. Hinter einer von dieſen Häuſer⸗ reihen, auf etwa hundert Schritte, ſchlängelte ſich der Fluß, deſſen Breite und Macht ſchon an dieſem Orte die Nähe des Meeres zu bezeichnen anfangen.
Aber der Bürgerkrieg iſt hier durchgezogen: er hat zuerſt die Bäume umgeworfen, ſodann die Häuſer entvölkert, welche, ſeiner ganzen launenhaften Wuth preisgegeben und nicht im Stande wie die Bewohner zu fliehen, in ihrer Weiſe gegen die Barbarei innerer Empörungen proteſtirend, auf den Raſen ſtürzten. All⸗ mählig aber hat die Erde, welche dazu geſchaffen zu ſein ſcheint, Allem, was da war, als Grab zu dienen, den Leichnam dieſer einſt ſo luſtigen Häuſer bedeckt. Das Gras iſt auf dem trügeriſchen Grunde gewachſen, und der Reiſende, der dieſer Straße folgt, vermuthet nicht entfernt, wenn er auf den ungleichen Hügeln eine von den großen Heerden trifft, wie man ſie bei jedem Schritte im Süden weiden ſieht, daß Schä⸗ fer und Schafe auf dem Kirchhofe wandeln, wo ein Dorf ſchläft.


