Teil eines Werkes 
Das Braut-Kleid : drei Theile : Teil 1 (1845)
Entstehung
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nen verhängnißvollen Entſchluß eingeflößt, und der Tod ihrer Großmutter beſchleunigte die Ausführung.

Bei dem Anblicke der todten Marquiſe erklärte Mademoiſelle Aspaſia, daß ihr Schmerz ſo groß ſei, daß ſie nicht einen Augenblick mehr in dieſem Hauſe bleiben könne.

Cäcilie ſtand von dem Bette ihrer Großmutter auf, an welchem ſie betete, machte die Rechnung der Mademoiſelle Aspaſia, bezahlte ſie und ſtattete ihr ih⸗ ren Dank für das ab, wofür kein Geld Zahlung lei⸗ ſten kann, das heißt, für die Aufmerkſamkeit, welche ſie der Marquiſe zugewendet hatte.

Dann rief das junge Mädchen die gute Frau, welche ihre kleine Haushaltung beſorgte und bat dieſe, ſich mit der Eigenthümerin der Wohnung zu benehmen und alle Anordnungen des Leichenbegängniſſes zu tref⸗ fen, welche erforderlich waren. Da Cäcilie im ganzen Hauſe ſehr geliebt war und für ein Muſter kindlicher Liebe und der Keuſchheit galt, ſo beeilte ſich jedes, ihr Dienſte zu leiſten, ſo weit es in ſeinen Kräften ſtand.

Jetzt kehrte Cäcilie in ihr Zimmer zurück und öff⸗

nete eine Schublade, aus dieſer nahm ſie ihr Hoch⸗

zeitskleid.

Bei dem Anblicke desſelben brachen ihre ſo lange 3

zurückgehaltenen Thränen aus. Es war aber auch Zeit; ein längeres Zurückhalten hätte ihr das Herz gebrochen.

Nachdem ſie lange geweint hatte, während ſie das ſchöne Kleid auf ihren Knieen hielt, während ſie jedes Bouquet, jede Blume, jede Arabeske küßte, nach⸗ dem ſie ihre beiden Hände zum Himmel erhoben hatte,

Heinrich, Heinrich ausrufend, warf ſie zum zweitenmal

den Schleier über ſich und ging weg.

Die Bezahlung der Mademoiſelle Aspaſia hatte ihre letzten Hülfsquellen erſchöpft, es blieb ihr nichts mehr übrig, um ihre Großmutter begraben zu laſſen,

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