Teil eines Werkes 
Das Braut-Kleid : drei Theile : Teil 1 (1845)
Entstehung
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und da ihr der Juwelier durch ſein freundliches Weſen Zutrauen eingeflößt hatte, ſo zeigte ſie ihm dieſe Ar⸗ beit und fragte ihn, ob er nicht irgend einen Sticke⸗ reien⸗Zeichner kenne, bei welchem ſie von ihrem Ta⸗ lente Gebrauch machen könne. Der Juwelier rief ſeiner Frau, welche, nachdem ſie die Deſſins bewundert hatte, verſprach, mit sinem Kaufmann darüber zu ſprechen. Drei Tage ſpäter hatte Cäcilie eine Hülfsquelle, ſie konnte täglich ſechs bis acht Franc verdienen.

Von dieſem Augenblicke an war das arme Mäd⸗ chen wieder viel ruhiger und dachte nun ausſchließend an Heinrich. Die Tage vergingen, und immer noch kam keine Nachricht. Heinrich war nun vier Monate zu lang aus. Cäcilie ſchien mehr und mehr kalt und theilnahmslos zu werden, ihr ganzer Schmerz concen⸗ trirte ſich in ihr und drückte auf ihr Herz. Von Zeit zu Zeit ſchauderte ſie noch, wenn es zu der Stunde läutete, in welcher ſonſt der Briefträger kank; aber am Zuge der Glocke erkannte ſie, daß er es nicht ſei, und ſie ſank in den Fauteuil zurück, aus welchem ſie ſich halb erhoben hatte. Ihre ewige Beſchäftigung, eine faſt maſchinenartig gewordene, war ihr Kleid, welches ſie ganz und gar mit Stickereien überdeckte. Jeden Tag füllte Cäcilie einen neuen Zwiſchenraum

zus, jeden Tag entſtand eine neue Blume unter ihrer wundervollen Nadel; drei Monate verfloſſen abermals und keine Nachricht kam, um dem armen Kinde Freude oder Thränen zu bringen. Wäßhrend dieſer drei Monate war das Geld, wel⸗ ches durch den Verkauf des Rings der Marquiſe ein⸗ gegangen war, ausgegeben; allein vermöge der Hülfs⸗ quelle, welche Cäcilie ſich geſchaffen hatte, bemerkte es Niemand; alle Wochen trug das junge Mädchen ihre Deſſins zu dem Kaufmann und alle Wochen ſtellte er ihr vierzig bis fünfzig Francen zu. Dieſe Summe genügte für die kleine Haushaltung; und da ihr die neue Arbeit immer noch Zeit zu ihrer Stickerei übrig