Teil eines Werkes 
Das Braut-Kleid : drei Theile : Teil 1 (1845)
Entstehung
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Die Nacht kam, die Finſterniß wurde dichter; aber dennoch brachte Cäcilie, wie wenn es ſchön wäre, die ganze Nacht am Fenſter zu. Bei den erſten Strahlen der Sonne entſchloß ſie ſich, matt vor Müdigkeit, das Herz gedrückt, bereit in Thränen zu zerfließen, ſich niederzulegen.

Dieſer Schlaf war kurz und aufgeregt, jeden Au⸗ genblick erwachte ſie, plötzlich auffahrend, indem ſie glaubte, den Ton der Glocke zu hören. Der Tag ging mit derſelben Trägheit vorüber, wie der Abend.

Jetzt begann ſie mit ihrer Liebe zu ſtreiten, ſich ſelbſt zu überreden, daß die beiden Fahrzeuge ſich nicht mit dieſer methodiſchen Regelmäßigkeit folgen konnten. Die ſchöne Anna konnte im Augenblicke ihrer Ab⸗ reiſe um einige Tage, vielleicht um eine Woche auf⸗ gehalten worden ſein. Eine in jenen Tropenländern ſo häufig vorkommende Windſtille konnte ſie zurückge⸗ halten haben. Sie legte ſich noch einmal drei Tage

auf, während welcher ſie nicht hoffen dürfe; aber was ſollte ſie während dieſer drei Tage beginnen.

Die arme Cäcilie nahm ihr Hochzeitkleid wieder auf und begann ein neues Bouquet in jede Ecke der Stickerei zu ſticken.

Die drei Tage verfloſſen. Dann noch vier an⸗ dere, endlich eine Woche; die vier Bouquete waren vollendet.

Heinrich hatte ſchon den wahrſcheinlichen Zeitpunkt ſeiner Ankunft um vierzehn Tage überſchritten; jetzt war Cäcilie nicht blos ungeduldig, ſie war auch un⸗ ruhig. Jetzt erwachten alle Träume in ihrem Geiſte, welche eine aufgeregte Einbildungskraft erzeugt; dieſes ungeheure Meer, deſſen dumpfes Brauſen einen ſo ſtar⸗ ken Eindruck in Boulogne auf ſie gemacht hatte, dieſes tobende Meer mit ſeinen Launen, ſeinen Stür⸗ men, ſeinen Orkanen, was hatte es aus der ſchönen Anna und aus Heinrich gemacht? 3

Waren ſchon die Tage Cäciliens in Folge des