Teil eines Werkes 
Das Braut-Kleid : drei Theile : Teil 1 (1845)
Entstehung
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O ja, Heinrich hatte recht gehabt, die Stunden

ſchienen der armen Cäcilie lange, aber ſie verfloßen

dennoch. Endlich kam der Abend, und die Nacht trat ein; aber Cäcilie konnte kaum ſchlafen. Jeder Wagen, der vorüberfuhr, regte ſie auf. Hatte Heinrich nicht geſchrieben, daß die ſchöne Anna eine gute Seglerin ſei und daß er vielleicht zu gleicher Zeit mit ſeinem Briefe ankommen könne; es iſt wahr, daß dieß viel verlangt hieß; Heinrich hatte es vorausgeſehen; eine Verzögerung könnte eintreten. Man mußte alſo we⸗ nigſtens noch acht Tage zugeben, das war viel ver⸗ nünftiger, als zu hoffen. Cäcilie wiederholte ſich, daß ſie eine Thörin ſei, wenn ſie hoffe; aber dennoch hoffte ſie.

Bei jedem Geräuſche im Hauſe lief ſie an die Treppe, bei jedem Geräuſche in der Straße lief ſie an das Fenſter. So verging auch der folgende Tag, dann der nächſtfolgende, dann die folgenden Tage, und der achte, welchen Cäcilie als das Ende ihres War⸗ tens feſtgeſetzt hatte, war für ſie eine wahrhafte Pein.

Seit dem geſtrigen Abende hatte Cäcilie ihr Hoch⸗ zeitskleid fertig gemacht; die letzte Blume war ſtrah⸗ lend und freudig unter ihren Fingern vollendet.

Der achte Tag verging, wie die andern. Von zwei Uhr bis zum Eintritt der Nacht blieb Cäcilie an ihrem Fenſter, die Augen auf die Ecke der Straße Saint⸗Honoré gerichtet und ſich einbildend, daß jeden Augenblick ein Cabriolet erſcheine, welches ihr Heinrich zuführte, wie ſie ihn in dem Cabriolet geſehen hatte, welches ihn ihr entführte.

Durch eines jener ſeltſamen Geheimniſſe, welche beweiſen, daß die Zeit nicht exiſtirt und nichts als ein leeres Wort iſt, entſchwand dieſer ganze Zeitraum, während deſſen ſie Heinrich erwartet hatte, ſpurlos; es ſchien ihr, daß es bloß der Abend ſei, welcher dahin hegangen, und daß während der Nacht ein Traum ge⸗ ko

mmen ſei, in welchem ſie dieſe lange Reiſe geträumt