Dank Dir, meine ſchöne Wolke! Dank Dir! Grüße ſie im Vorübergehen, und ſage ihr, daß ich ſie liebe. „Adieu, ich werde Sie nicht verlaſſen, und Gott
. weiß, was Allem ich mich ausſetzen würde. Ach hätte
ich nur eine Zeile, ein Wort, eine Sylbe von Ihnen! „Noch einmal, zum letztenmal Adieu. Ich liebe Sie; Adieu, Adieu! Ihr 3 Heinrich.“
So lang dieſer Brief war, ſo kurz ſchien er doch Cäcilien, ſie las ihn wiederholt, den ganzen Tag hin⸗ durch und endlich wußte ſie ihn, wie die übrigen, aus⸗ wendig. So, und immerfort an ihrem ſchönen Hoch⸗ zeitkleide arbeitend, wiederholte ſich das arme Kind alle Worte ihres Geliebten, und von Zeit zu Zeit, wenn dieſe Worte nicht mehr genügten, griff ſie wie⸗ der nach den Briefen, um ihr Herz durch die Berüh⸗ rung des Papiers und durch den Anblick der Schrift⸗ züge zu ſtärken.
Inzwiſchen ſchritt die Arbeit an dem Kleide vor⸗ wärts. Sie war, wie geſagt, eine prachtvolle Guir⸗ lande von Stickereien, welche rund herumlief und bis zu dem Gürtel hinauf gefertigt werden mußte, um ſich da in Aeſte zu theilen, von welchen die einen auf je⸗ nen Theil des Körpers ſich fortſetzen mußten, den man das Handgelenke nennt, während die anderen ſich eigen⸗ ſinnig und launiſch unter den Aermel wanden, wäh⸗ rend die am untern Ende des Kleides vereinigt blieben. Das Kleid war ſchon mehr als zur Hälfte fertig und aller Wahrſcheinlichkeit nach mußte Heinrich noch drei oder vier Monate ausbleiben. Das Kleid mußte alſo bis zu ſeiner Zurückkunft vollendet ſein.
Von Zeit zu Zeit fragte die Marquiſe um Nach⸗ richt von dem Reiſenden, aber in einem Tone, wie man nach einem Fremden fragt. Die Marquiſe hatte nicht aus Wohlwollen für Heinrich, ſondern aus Ab⸗
Das Brautkleid. 15


