Teil eines Werkes 
Das Braut-Kleid : drei Theile : Teil 1 (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

bei dem erſten Blicke, welchen ſie auf dieſes traurige und ernſte junge Mädchen, warf, bemerkte ſie mit Er⸗ ſtaunen eine würdevolle, züchtige Haltung, welche über ihre ganze Perſon verbreitet war.

Cäcilie war an der Thüre ſtumm und unbeweg⸗ lich ſtehen geblieben.

Kommen Sie näher, Mademoiſelle, ſagte Fer⸗

nande,und ſagen Sie mir, was mir das Vergnügen

verſchafft, Sie zu ſehen.

Madame, entgegnete Cäcilie mit zitternder Stimme, in welcher jedoch mehr Schmerz als Furcht lag,in dieſem Carton hier iſt eine Robe, welche ich

ſchon mehreren Perſonen gezeigt habe; aber der Preis,

der für dieſelbe bezahlt werden ſoll, hat immer das

überſtiegen, was die Perſonen, welchen ich ſie zum

Kaufe angeboten habe, geben wollten. Die letzte der⸗

ſelben hat mir, indem ſie mir das Kleid zurückgab,

geſagt, daß nur eine Königin eine ſolche Robe kaufen könne, und deswegen bin ich zu Ihnen gekommen, die Sie eine Königin find.

Dieſe Worte waren mit einer zitternden Stimme, aber zu gleicher Zeit auch mit ſo viel Trauer und Würde geſprochen worden, daß ſich das Staunen des Prinzen und Fernandens verdoppelte; indeſſen mußte die ſchöne Künſtlerin doch über die letzten Worte lächeln.

Ach ja, ſagte ſie,eine Königin, eine Königin von ſieben bis halb zehn Uhr Abends; eine Königin, deren Königreich im Theater iſt, welche Mauern von

Pappe zum Palaſte hat, und ein Stirnband von Bronze als Krone trägt! Indeſſen ſind Sie doch nicht ganz irre gegangen, indem ſie hieher gekommen ſind,

denn wenn ich auch eine falſche Königin bin, ſo haben Sie doch einen wahren König gefunden.

Das junge Mädchen heftete mit ernſter Würde

die ſchönen blauen Augen auf den Prinzen; ihr Aus⸗