Teil eines Werkes 
Das Braut-Kleid : drei Theile : Teil 1 (1845)
Entstehung
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Augenblick die Hauptſache einer Verſtimmung war, deren Verbergen ſich die Dame nicht angelegen ſein ließ.

Sie war eine der erſten Künſtlerinnen des Theatre- Prançais; die Rolle gehörte einer der langweiligſten Tragödien jener Epoche an; wir bezeichnen die eine mit dem Namen Fernande, wir werden uns aber ſehr wohl hüten, den Titel der andern zu nennen.

Das Boudoir war zwar von außerordentlicher Eleganz, trug aber dennoch den Stempel des ſchlechten Geſchmacks jener Epoche. Es war ein allerliebſtes, viereckiges Gemach mit blauem Atlas tapeziert, von welchem jedes Blatt zwiſchen zwei Säulen von korin⸗ thiſcher Ordnung eingerahmt war, auf deren goldenen Kapitälern ein Fries von Stuck ruhte, auf welchem nach dem Genre von Pompeji eine Menge von Amo⸗ retten gemalt waren, die, mit Bogen und Köchern ver⸗ ſehen, zu nicht wenigen Altären Hymens und der Treue ihre Schlachtopfer führten. Dieſes Boudoir hatte vier Thüren, zwei davon waren der Symmetrie wegen ge⸗ blendet. Dieſe vier Thüren waren weiß bemalt und erhaben gearbeitet, und in jedem Fache hatten ſie Ver⸗ zierungen, die aus einem Thyrſus des Bacchus und aus einer Maske Thaliens und Melpomenens gebildet waren. Eine dieſer Thüren war geöffnet und ließ den feuchten Dampf und den lieblichen Duft eines parfümirten Ba⸗ des in das Boudoir hereindringen.

Was die Möbeln dieſes Boudoirs betrifft, ſo wa⸗ ren ſie mit blauem Atlas gleich den Wänden überzo⸗ gen, und ſie hatten die rauhe und unangenehme Form, die heute noch die Leute von Geſchmack und die Ver⸗ ehrer des Comfortablen überraſcht, die nicht begreifen können, wie man ſolche Nachbildungen des Antiken machen und wie man ſich derſelben bedienen konnte; denn man vermochte kaum, ſich auf ein Canapee zu legen, ſich auf einen Fauteuil oder überhaupt auf die Stühle zu ſetzen. Wir ſprechen hiebei nicht von den Tabourets in der Form eines X; denn dieſe waren

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