Orgien; die Kränklichkeit Iſabellen's hatte die⸗ ſelben verſcheucht; dafür waltete zauberiſcher Däm⸗ merſchein, ſüße Düfte ſtiegen aus der goldenen mit den koſtbarſten Gewürzen gefüllten Schale, wie Opferweihrauch im Tempel der Aphrodite; und Roſen, dem zerſtörenden Herbſt bei Zeiten entriſſen, liehen jetzt die Blätter ihrer Kelche zur duftenden Purpurdecke der prachtvollen Pfühle. Aufmerkſam bald ſeine Scherze belächelnd, bald über ſeine allzu große Tollkühnheit beſorgt, hörte Iſabelle den fröhlichen Herzog, welcher, mit ihren Locken tändelnd, zu ihren Füßen ſaß. Der ſchwarze Leibrock von Damaſt, mit Marderpelz verbrämt, kleidete ihn trefflich, wie die Königin, deren Ge⸗ ſchmack eben ſo fein war als ſeine Eitelkeit groß, gleich bei ſeinem Kommen bemerkt hatte. Iſabelle kredenzte ihm einen Becher köſtlichen, mit feurigen Spezereien gewürzten Cyper⸗Weines. Der Herzog ſetzte ihn mit den Worten an die Lippen:„Ich trinke ihn auf Euer Wohl, Iſa⸗ belle, auf daß der Himmel bald die Feſſeln löſen möge, welche Euch an den unwürdigen Gatten ketten, auf Eure Freiheit und auf meine Gefan⸗ genſchaft im Netz Eurer Zauberblicke.“
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