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Orleans aus dem Hotel Saint Paul in das der Rue Barbette, wo die Königin krank lag. Sie war herzlich erfreut, ihren vertrauten Bundesge⸗ noſſen wieder zu ſehen, und dieſer ermangelte nicht, ſie im witzelnden Tone leichtfertig von allen Necke⸗ reien und Kränkungen zu unterhalten, welche er dem verhaßten Burgund in der jüngſten Zeit hoch⸗ müthig zugemeſſen. Er verhehlte nicht, namentlich da es Iſabelle war, welcher er ſeine Heldenſtreiche erzählte, daß er die Herzogin von Burgund, von deren Tugend Jedermann nur mit höchſter Ehr⸗ furcht ſprach, grundlos verläumdet; er vergaß auch nicht, ihr von den zärtlichen Gedichten zu erzählen, welche er an jene gerichtet, und hie und dort zerſtreut hatte, wo ſie ihrem Gemahle in die Augen fallen mußten.
Die Königin, reizend in ihrer Bläße, das Haar gelöſt, daß es üppig den Hals und Nacken hinab⸗ wogte, im gürtelloſen weitfaltigen dunkel violett⸗ nen Samtgewande, auf die ſchwellenden Pfühle hingegoſſen, war wie die verwundete Liebesgöttin anzuſchauen. Jener„petit sejour de la reine“ wiederhallte diesmal nicht wie ſonſt von lärmenden Feſtlichkeiten, von Muſik, Geſang, Tanz und


