Druckschrift 
Elisabeth : Erzählung / von Henriette Hanke, geb. Arndt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

268

einen duͤrftigen Laboranten, der in einem Winkel jener Berge Kraͤuterthee miſche, Balſam praͤpa⸗ rire, und ſein Weſen ſo unbekannt als unſchaͤdlich treibe. Und dies war es, was der arme Leſtloy ſuchte: verborgene Stille, um die Wunde der Seele ausbluten zu laſſen, die nur der Tod heilen koͤnnte, den er ſich troſtlos erſehnte. Sein Weg fuͤhrte ihn uͤber Goldenſaat, und hier war es, wo ihm Eliſabeth gleich einem Engel der Begna⸗ digung erſchien, und ſein zeriſſenes Gemuͤth durch Bande der Liebe wieder an das Leben knuͤpfte. Er hielt es jedoch fuͤr unedel, das theure, ſchuld⸗ loſe Geſchoͤpf an ſein Verhaͤngniß zu binden, und ſo gab ſein Vorſatz Eliſabeth frei. Erſt dann, wenn ſie den tiefen Eindruck des Mitleids, von der Hingebung an eine gluͤckliche Liebe unter⸗ ſcheiden koͤnnte, wollte er ſie wiederſehen.

Aber als Leſtloy auf den kleinen Edelhof in Boͤhmen ritt, dachte er wohl nicht, daß ſeines Gluͤckes Stern uͤber dem verfallnen Schloſſe ſtuͤnde! Er fand die herrlichſte Aufnahme. Die Vergangenheit trat in Ludwigs Geſtalt, der ſeinem Großvater aͤhnelte, vor den kleinen Doc⸗ tor, und er bewies ſich ihm ſo freundlich, wie er das Andenken ſeines Lehrherrn dankbar verehrte. Er meinte ſtill, eine hoͤhere Leitung haͤtte den