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Ihnen mit meinen Strichen das Elternpaar deutlich ge⸗ macht habe, ſo viel werden Sie jedoch ſelbſt aus meiner Skizze erkennen, daß ſolche Eltern für einen Charakter— oder ſoll ich Natur ſagen? wie Cäciliens nicht plaſtiſch bildend wirken konnten. Sie bildete ſich alſo ſelbſt, und zwar meine ich das wörtlich, denn ich habe noch keine ſo ſtetige und ſo bewußte Selbſterzieherin gekannt wie ſie.„Ich habe einen feſten Willen; den, mich ſelbſt kennen zu lernen und mir ſelbſt gerecht zu werden,“ ſagte ſie mir mit achtzehn Jahren und ſie ſagte es ſo ernſt, und ſo gewiß des Könnens, daß ich nicht lachen konnte, wozu ich große Luſt hatte. Dieſes Sichſelbſtgerechtwerden bezeichnet zugleich die Gefahr, worin ſie iſt: nämlich den Selbſteultus. Im höhern Sinne in dem Emerſons, aber doch immer im perſönlichen, nicht im chriſtlichen, folglich unweiblichen. Sie wiſſen, ich halte das Chriſten⸗ thum für die eigentliche Miſſion der Frauen. Die Frau, ſelbſt die begabteſte, thut immer mehr, wenn ſie ſich ſelbſt aufgiebt, wie wenn ſie ſich ſelbſt cultivirt. Cäcilie faßt ihre„Miſſion“ ganz entgegengeſetzt auf. Durch das, was ſie iſt, will ſie wirken, ein Beiſpiel ſein. Zeigen, daß die Frau auch ungeſchützt und ungeſtützt feſt und rein daſtehen könne, wie eine Statue aus fleckenloſem Marmor. Folglich iſt Cäciliens Emancipation durchaus nicht auf das Freiwerden der weiblichen Natur gerich⸗ Ida von Düringsfeld. Die Literaten. I. 4


