Teil eines Werkes 
1. Th. (1863)
Entstehung
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kurz, an allen möglichen hergebrachten Tugenden vor, die ein Mädchen haben ſoll und muß, die aber auch Cäcilie gehabt haben würde, nur für eine andere Mutter und für andere Brüder. Verſtehen Sie mich wohl, es hat nie Scenen gegeben, dazu iſt Frau von Platen zu ſehr Dame von Welt ſelbſt in der Häuslichkeit und in der Familie, Cäcilie zu kühl und zu ſelbſtſtändig. Aber der Tadel fiel wie ein Waſſertropfen, leiſe, cadencirt und unabläſſig und verbreitete eine Atmoſphäre, in welcher ſelbſt Unbetheiligten froſtig ums Herz wurde. Das er⸗ müdete Cäcilie. es müde wird. Ich behaupte, kein Geſchöpf unter dem Himmel kann eine ſolche unergründliche Müdigkeit in ſich tragen und ſie ſo würdevoll zu erkennen geben wie Cäcilie. Genug, die Mutter machte ſie müde, das Zu⸗ ſammenſein mit ihr löste ſich wieder und wieder in das unendliche Gähnen auf, welches Steffens in Walſeth und Leith beſchreibt. Mit dem Vater ſtand Cäcilie ſich um Vieles beſſer. Er iſt, was die Franzoſen ſich gewöhnlich unter einem Deutſchen vorſtellen, groß, friſch, blond— Cäcilie hat ſein Reifeskornhaar— gutmüthig, naiv, etwas ſentimental und ziemlich phlegmatiſch, das Alles zu⸗ ſammen mit proſaiſchen und praktiſchen Neigungen, mit Liebe zur Pfeife, zum Glaſe, zu Pferden und zu bequemer und geldoringender Thätigkeit. Ich weiß nicht, ob ich

müſſen unſer Fräulein ſehen, wenn