Teil eines Werkes 
1. Th. (1863)
Entstehung
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tet, ſondern nur auf das Starkwerden des weiblichen Charakters. Die reine Sitte iſt ihr das unwandel⸗ bare unverletzliche Geſetz, aber dieſes Geſetz braucht ihrer Anſicht nach zur Aufrechthaltung nicht die

Polizei der geſellſchaftlichen Conventionen. In dieſem

Irrthum iſt ſie ganz junges Mädchen, ganz unüberführ⸗ barer Eigenſinn. Sie wird das Experiment allerdings

durchführen, denn ſie hat keinen Athem von Leidenſchaft⸗

lichkeit in ſich— war je ein Mädchen keuſch bis in die verſchwiegenſten Gedanken hinein, ſo iſt es Cäcilie. Aber ſie wird eben nur beweiſen, was ſie iſt und was ſie vermag, Nichts, was in der Folge irgend von Werth für die allgemeine Weltſtellung der Frau ſein könnte. Das hab' ich ihr geſagt, wieder geſagt, überhaupt

meinen Athem hab' ich nicht geſpart. Wie immer, fruchtlos. Was ſie heute ausführt, hat ſie ſich be⸗

reits vorgenommen, als ſie, immer mit achtzehn Jahren, die Erbin ihres Onkels wurde, der unverheirathet ſtarb. Er war mit ſeiner Schwägerin nicht zufrieden und wollte ſeinen Liebling, was Cäcilia war, von der Mut⸗ ter freimachen.„Sie ſoll auf ihre eigene Weiſe glücklich oder unglücklich werden können,“ ſchrieb er in ſeinem Teſtamente. Den Willen dazu ſcheint ſie denn auch zu

haben, und Sie— lernen ſie auf dem Wege zu die⸗ ſer Erfahrung kennen. Seit zwei Jahren weiß ich um