Teil eines Werkes 
1. Th. (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

———————————————

32

Stück ſoll dramatiſcher wirken als„Diane de Lys.“ Das war eine Herausforderung, welche er Cäcilien zu⸗ warf. Sie hatte in ihrem Buche über Frankreich von dieſem Drama und ſeiner großen ſceniſchen Wirkung ge⸗ ſprochen. Als Wiesner ſich jetzt ſo ſicher vermaß, es zu übertreffen, lächelte ſie beluſtigt. Er wandte ſich raſch ganz zu ihr und fragte:„Sie zweifeln daran, gnädiges Fräulein!“

„Ich zweifle nie im Voraus an etwas, ich warte immer Alles ab,“ antwortete ſie.„Es iſt möglich, daß Ihnen gelingt, was Sie verheißen, leicht wird es Ihnen nicht gelingen.“

„Auch ich halte dieſes Stück für eines der Beſten des jüngern Dumas,“ nahm Devries das Wort.„Aus der Rolle des Grafen läßt ſich viel machen. Allerdings nur auf Franzöſiſch,“ ſetzte er hinzu.

„Warum nur auf Franzöſiſch?“ fragte Wiesner, in deſſen roſigem Antlitz der Enthuſiasmus für ſein zu ſchaffendes Stück noch immer leuchtete.„Warum ſollen uns Deutſchen ſociale Luſtſpiele nicht glücken?“ „Deutſchſociale gewiß,“ antwortete Devries,„franzöſiſch⸗ ſociale“ nicht. Das franzöſiſche, d. h. das Pariſer Leben findet in Deutſchland ſeinen Boden nicht. Es bedarf einen, der elaſtiſch iſt, leicht ſchwingt— der unſrige liegt zu feſt. Sociale Stücke und ſociale Romane