30
fuͤr ſich und ihr Kind, da ſie Beide halb todt vor Hunger waren, und um eine Schlafſtelle fuͤr die Nacht in irgend einem Loch oder Winkel unter ſeinem Dache; aber er ergriff ſeine ſchwere Pferdepeitſche, und ſchlug ſie zuruͤck in die Kaͤlte des brauſenden Sturms: denn des alten Mannes Herz war tief verwundet durch den Verluſt ſeiner Tochter, und es war dadurch erhaͤrtet worden. Von der Stunde an, daß ſie ihn verließ, richtete er nie ſeinen Kopf empor, noch oͤffnete ſich ſeine Hand die Armuth zu erleichtern; er peitſchte viel⸗ mehr den naͤchtlichen Bettler von ſeiner Thuͤr weg. Als das vor Kaͤlte bebende Geſchoͤpf ſich ſeinen Hieben entzog und weg lief, rief ſie ihren Namen aus; es war Dora, ſein eignes Kind. Aber Mangel und Elend hatten ſie ſo veraͤndert, daß Er, der ſie auf ſeinem Schooß gehalten, der ſie waͤhrend ſiebzehn Jah⸗ ren mit Augen der Liebe betrachtete, wenn ſie bei ihm ſaß, oder in ſeinem Hauſe umher ging, ihr Vater, mein lieber Andy, ſie nicht kannte; und ſeitdem hat man nichts von ihr gehoͤrt.“
„Gott ſteh ihr bei, Bridge; ſie hat ein hartes Schickſal gehabt; ich wundre mich nur, meine Theure, daß ich dieſe Geſchichte nie zuvor gehoͤrt habe.“
„Sie haben es nicht gern, daß man davon ſpricht; denn es iſt freilich ein Schandfleck fuͤr die Familie. Doch, Andy, wann willſt Du zu Sheeum- na-Sheeog gehn?“ Sie ſtanden auf, ſich zu trennen.
„Sobald die Lerche ihr Morgenlied anfaͤngt, wenn ich lebe und geſund bin.“


