19 nicht den Muth hatte, ihn anzuſehn. Nun gedachte ſie ihn zu entwoͤhnen, aber er wollte nicht einen Biſ⸗ ſen eſſen, und war immer graͤmlich und graͤmlich, vom Morgen bis zum Abend, ſo daß ſie dachte, daß er ſterben wuͤrde, und ſie betruͤbte ſich daruͤber. Aber zum Erſtaunen der ganzen Welt lebte er fort, und blieb drei Monate ohne alle Nahrung, wie ſie dachte. Auch nahm er weder zu, noch ab, ſondern blieb im⸗ mer wie er war, und ſie brachte manche langweilige Nacht zu, bei ihm zu wachen.
Eines Nachts ging ſie zu Bett, konnte aber nicht ſchlafen, denn ihr Gemuͤth war ſo unruhig, da ſie an ihr ſchwaͤchliches Kind dachte; ſie hatte ein Nachtlicht angezuͤndet, und, merk auf, Andy, ſie lag ſtill und ruhig mit ihren Augen halb offen, und nach einem kleinen Weilchen ſieht ſie den Knaben aufrecht in der Wiege ſitzen, und ſein bezaubertes Geſicht herum drehn, und hier und da zu ſchauen, um zu wiſſen, ob Je⸗ dermann ſchliefe; dann ſtieg er aus dem Bett auf den Boden, ging hinuͤber zum Herd, wo ein Haferbrod lag fuͤr den naͤchſten Morgen, und es iſt ſo wahr, als das Feuer jetzt vor uns brennt: er ſetzt ſich nieder und ißt und ißt, bis Alles verzehrt war. Und die ganze Zeit war er wachſam wie eine Katze die ſtiehlt. Hierauf kroch er wieder in ſeine Wiege, ergriff die Sackpfeifen, und ſpielte ein Feenlied.*
„Chriſt beſchuͤtze und erhalte uns! Das war frei⸗ lich fuͤrchterlich,“ ſagte Andy, der ſo blaß, wie der Tod, daſaß.
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